Quito auf 2.850 Metern – Dschungelstadt Baños

Bereits vor der Anreise gab es eine freudige Überraschung: Der Verein Independiente sollte in dieser Woche ein Heimspiel in der Copa Libertadores bestreiten, und meine Akkreditierung ging schnell durch. Daraufhin wurde Ecuador etwas umgeplant und es ging nach der Landung in Quito, vom Bus-Terminal Quitumbe in das Abenteuerstädtchen Baños. In Quito, einer der höchstgelegenen Städte der Welt, merkt man die dünne Luft direkt, daher war es gar nicht so schlecht, in das nur 1.820 Meter hoch gelegene, Baños nah am Dschungel „entfliehen“. Entfliehen der Höhe ja, aber nicht den Massen: Auf 18.000 Einwohner sollen mehr als 1000 Hotels und Unterkünfte entfallen. Trotzdem kann man hier sämtliche Arten von Abenteuersport wie Paragliding, Rafting oder Ziplining ausprobieren. Sofern man fit ist, mich knockte eine Erkältung dermaßen aus, dass mir hier nur die Erholung blieb.

Was drin war, war die Ruta de las Tres Cascadas. Die Route lässt sich von Mutigen mit dem Fahrrad abfahren. Wer es ruhiger angeht, kann die imposanten Wasserfälle bei Spaziergängen erleben. Mutig ist die Tour übrigens nicht wegen ihrer Länge von 20 Kilometern, sondern weil Motorradfahrer wie in ganz Südamerika ihren eigenen Fahrstil haben. Vor uns legte sich einer schön lang hin, er dachte wohl er könne die Bumps überspringen oder Ähnliches. Die Preise hier sind natürlich touristisch, aber auch hier findet sich ein lokales 3€ Gym oder ein Sandwich für 5€, inklusive eines sympathischen Fußballgesprächs mit dem argentinischen Besitzer.

Independiente del Valle 0:2 Flamengo, 10.09.2026, Copa Libertadores, Estadio Olímpico Atahualpa, ~ 30.000 Zuschauer (500 Gäste)

Zurück nach Quito und mit Akkreditierung ging es mit guter Laune zum Olympiastadion, welches zentral in der Stadt liegt und mit der blitzblanken neuen Metro einfach zu erreichen ist. Die Pressesitze auf der Haupttribüne liegen unterhalb der Logen und sind ein Witz. Ich saß bei den brasilianischen mitgereisten Journalisten und diese äußerten sich doch sehr belustigt und erschrocken über den Zustand dieses Bereiches. Andererseits strotzt das 75 Jahre alte Stadion nur vor Ranzigkeit und konnte mich dagegen überzeugen. Copa Libertadores Viertelfinale lockte die Massen ins Stadion.

IDV gehört seit etwa fünf Jahren zu den besten Vereinen des Landes, hat zweimal die Copa Sudamericana gewonnen (Pendant zur europäischen Europa League) und ist vor allem für seine Jugendarbeit bekannt. Aufgrund großer Namen wie Hincapié oder Moisés Caicedo ist der Verein finanziell allen anderen in Ecuador davongezogen, kann trotzdem keine große Fanbase hinter sich vereinen. Daher war ein fast ausverkauftes Stadion ein Erfolg (größte Vereinskulisse jemals), auch wenn in zahlreichen Tiktoks die Massen am Ende scheinbar gratis ins Rund laufen durften. Die Atmosphäre flammte nur selten laut auf, die Heimkurve (auf der Gegengerade) verfehlte zudem den Zeitpunkt des Zeigens ihrer kleinen Choreo, sodass beim Einlaufen der Mannschaften nur noch die Hälfte zu sehen war. Auch die Gästefans standen lieber weit auseinander, sodass hier auch keine Stimmung entstehen konnte.

Als klar bessere, überraschenderweise auch technisch, Mannschaft wollte IDV seinen Heimvorteil aufgrund der Höhe auf 2.800 Metern nutzen und spielte hohes Pressing. Die Brasilianer konzentrierten sich nur darauf, den Ball immer wieder lang rauszuspielen. Große Torchancen erspielte sich IDV nicht, aber das Fluchen der Brasilianer wurde stetig lauter. Fluchen wollte ich auch laut, als nach 23 Minuten eine Hydration Break durchgeführt wurde. Bei 15 Grad und einer Kameraschaltung direkt in den Spielerkreis hat die Copa die Kommerzialisierung hier wirklich durchgespielt. Schrecklich! Nun denn: In Halbzeit zwei wurde IDV noch ideenloser und spielte bei viel Ballbesitz brotlose Kunst. Flamengo setzte zwei Konter und die Mannschaft um Jorginho sollte sich damit eine sehr gute Ausgangslage erspielt haben (Das Rückspiel endete 1:1).

Die nächsten Tage in Quito waren wieder touristischer Natur. Das Stadtzentrum besitzt eine der schönsten, am besten erhaltenen und am besten gesicherten Altstädte Südamerikas und wurde als eine der ersten Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Militär- und Polizeipräsenz ist extrem – kein Wunder, gehört Quito zu den gefährlichsten Städten der Welt. Als Sidefact: Ecuador hat seinen Namen nicht ohne Grund. Nördlich von Quito liegt Mitad del Mundo, wo die Äquatorlinie in einem Touristendorf mit einem Denkmal „geehrt“ wird. Nett, hier gewesen zu sein. Die Experimente im Museum nebenan kann man mitnehmen und beispielsweise ausprobieren, ob man ein Ei auf eine Nadel setzen kann. In unserer Gruppe funktionierte das bei einem von sieben Versuchen. Versucht selbst euer Glück – so leicht ist es nicht!

24 aktive Vulkane – Cotopaxi

Vielleicht interessanter in der Statistik sind die 99 Vulkane im Land, davon 20 in der direkten Umgebung Quitos. Einem indigenen Märchen zufolge hat jeder Vulkan ein Geschlecht. Wut und Trauer über verlorene Liebe drücken die Vulkane aus, indem sie Feuer, Asche und Geröll ‚werfen‘. Gefährlich! Weil das so gut klingt, ging die erste Tagestour hoch hinaus auf den Cotopaxi. Er gilt mit etwa 5900 Metern als einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt. Die letzte Eruptionsphase fand erst 2022/23 statt. Das klingt erstmal nach einer ordentlichen Wanderung – die aber letztlich deutlich abgemildert wird. Unser Reisebus fuhr, noch bei bestem Wetter und schönster Sicht auf die schneebedeckte Spitze des Vulkans, im Zickzack etliche Höhenmeter nach oben. Der Parkplatz liegt bereits auf 4500 Metern, sodass es zum Basislager auf 4.850 Metern nicht mehr allzu weit ist. Gut, bereits auf dem Parkplatz war es maximal stürmisch und mein Unverständnis für die Italienerin, weder Regenjacke noch Kapuze dabei zu haben, war doch sehr groß. Italiener sind ja eigentlich in ihrem Land mit Schnee und Sonne/Meer gesegnet, aber gut, naive Personen gibt es in solchen Reisegruppen immer.

Der kurze Aufstieg ist kinderleicht. Das Atmen fällt schwer und mehr als zehn Meter am Stück zu gehen, sind nicht möglich. Umso verwunderter war ich, als ich nach 30 Minuten alleine oben ankam und die restlichen Begleiter ganze 20 Minuten länger brauchten. Das war weder ein Sprint von mir, noch gab es irgendetwas „zu genießen“. Der Weg war extrem staubig und die Sicht durch Nebel und Wolken gleich Null. Meine Straßenschuhe rutschten das ein oder andere Mal. Ja, echte Wanderschuhe hatte ich mit Absicht in Deutschland gelassen – um mir ein paar Tage später in Peru neue zu kaufen – no comment necessary!

Oben angekommen gab es nicht viel zu sehen. Mutige dürfen alleine noch weiter aufsteigen, aber beim heutigen Klima ergab das keinen Sinn. Also gab es Koka-Tee zur Beruhigung des Körpers und anschließend ging es im (nun) Sprint nach unten. Laufen ist dabei tatsächlich besser und erfordert etwas weniger Konzentration. Der Spaß war noch nicht vorbei, durften wir jetzt noch etwa eine halbe Stunde mit dem Mountainbike heruntersausen. Also leider nicht mit voller Geschwindigkeit, der Guide durfte bloß nicht überholt werden, aber das hat trotzdem Spaß gemacht und war ein Vorgeschmack auf das, was in Bolivien noch folgen sollte.

LDU Quito 1:1 Deportivo Cuenca, 12.09.2026, Estadio Rodrigo Paz, ~ 5000 Zuschauer / Der Kratersee Quilotoa

Der Länderpunkt war bereits eingetütet, sollte diesmal etwas mehr Atmosphäre und Leidenschaft auf den Rängen dazukommen. Das war zumindest meine Hoffnung und so kaufte ich meinen 3€ Hotdog noch genüsslich auf der Tribüne und sah gleichzeitig, dass das Stadion kaum voller wurde. Maximal 5-7 Tausend Zuschauer und auf beiden Torseiten versuchte ein kleiner Haufen etwas zu reißen. Wieso die bei der Menge nicht zusammenstehen, ist mir unverständlich, aber so wurde das weniger intensive Spiel nur von einem Summen beider Seiten begleitet. Ein paar Tage später, auch in der Copa Libertadores war das Spiel ausverkauft gewesen und erst im Elfmeterschießen scheiterte LDU an den Brasilianern Palmeiras. „Zum Glück“ kein Sieg, war es ein Tag nach meiner Abreise aus Ecuador.

Das letzte und womöglich bekannteste Highlight des Landes ist Quilotoa. Wieder ein Vulkan – doch diesmal leuchtet mittig ein Kratersee türkis/grün und ist somit ein auffällig hübsches Fotomotiv. Erneut ging es auf eine lange Busreise mit einer Horde Amerikaner, die die Fahrt dazu nutzten, um mehrere Tüten an Alpaka-Kleidung einzukaufen (und in den Staaten für bis zu 200 Dollar pro Stück! weiterzuverkaufen). Der Bus brachte uns in zwei Stunden bis zum Mirador – dem Viewpoint. Von oben alles gesehen, ist das schwierige nicht der 20-minütige Abstieg – unten ist der See in seiner ganzen Pracht auch nochmal eindrucksvoll und die Atmosphäre aufgrund weniger Touristen vor allem sehr ruhig und angenehm – sondern der Aufstieg. Der Weg ist überwiegend sandig und von unten auf die 3.900 Meter hochzuklettern eine anstrengende Herausforderung. Eine Amerikanerin nahm für den Rückweg den einfachen Weg und nutzte ein armes Maultier – ganz schwache Einstellung – der andere Amerikaner sagte, er wolle hinaufrennen und so etwas wie einen Rekord brechen. Nun, zwar 10 Minuten vor mir brach er auf, um dann oben mit lediglich 2-3 Metern Vorsprung anzukommen. Nein, ich bin nicht (hinterher) gerannt, dafür war es viel zu anstrengend, aber wer so große Ansagen macht, sollte auch etwas mehr Leistung zeigen!

Schlussendlich also das Pflichtprogramm absolviert und obwohl es mehr als sechs volle Tage in Quito und gar neun in Ecuador waren, empfand ich die Zeit als fast zu kurz. Fußball soll international und bei Derbys zwischen LDU und Barcelona brutal gut sein und die anderen Vulkane sind auch noch möglich zu besteigen. Da nehme ich mir vor zurückzukehren, die Sicht war auf jeder Busfahrt fast durchgehend phänomenal und geprägt von Vulkanen, Bergen und Tal-Landschaften. Ja, das Sicherheitsgefühl ist hier etwas anders – so viel Militär mag den einen oder anderen einschüchtern – aber jeder meiner Gesprächspartner war ultra freundlich und hilfsbereit.

„ Alle 24 Stunden verschwindet eine Person im Land“

Erst einmal ging es bergab – in Höhenmetern natürlich, knapp 2800 Meter hinunter nach Lima, Peru.

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1 Comment

  1. […] Abseits des Fußballs und der Tagestouren soll man hier gut feiern können, nicht umsonst leben hier viele ,,Nomaden“ aus Europa. Ist der Wandel weg vom gefährlichen Image des Landes hin zu einem modernen, offenen und sicheren Land also gelungen? Als Einheimischer und Tourist kann man sich mittlerweile recht frei und unbeschwert bewegen. Es gibt im Land jedoch immer noch Konflikte, eine Woche nach unserer Abreise gab es z.B. ,, Aufstände in Santa Marta“. In den Großstädten wurde und wird viel in Sicherheit und Infrastruktur investiert. Die beliebten Viertel ähneln europäischen Metropolen sehr – auch bei den gestiegenen Kosten. So ließ ich z.B. vollkommen erschrocken und desillusioniert 15€ für eine Pizza liegen. Lassen wir das lieber und auf ins nächste Land – Ecuador. […]

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