Wahrscheinlich denken die meisten Menschen zuerst an Gangs, Auftragsmorde und Drogen. Dinge, die lange das kulturelle Zusammenleben in dem kleinen Land in Zentralamerika bestimmten. Im Peak, in den Jahren 2014 – 2016, war die Mordrate bei 103 Morden pro 100.000 Einwohnern (Deutschland: 1!) und das Land galt phasenweise als das “gefährlichste Land der Welt“. 2019 stieg Nayib Bukele, der damalige Bürgermeister San Salvadors, zum Präsidenten auf und krempelte das Land radikal (und zum Teil totalitär) um. Seitdem wurden zehntausende Gangmitglieder in hierfür neu gebaute Gefängnisse gesteckt und die Sicherheit bzw. das Sicherheitsgefühl hat sich komplett gedreht.
So viel zur Vorgeschichte und man sollte meinen, dass diese bei einer 13-stündigen Anreise mit Zwischenstopp in Texas (ESTA nicht vergessen!) einen bei der späten Ankunft (22 Uhr) mit einem mulmigen Gefühl begleitet. Null. Gut, nachdem ich das (hyper-) touristische Nachbarland Guatemala vor zwei Jahren besucht habe, war die ,,ehemalige Gefährlichkeit“ eine große Lock- und Motivationspille – genau dieser Kontrast, aber auch Wandel, macht El Salvador extrem interessant. Der internationale Flughafen liegt etwa 40 Minuten vom Stadtzentrum der Hauptstadt entfernt. Hat man kein Mietauto wie wir, ist Uber das beste Fortbewegungsmittel. Grundsätzlich auch bezahlbar. Für 15-20 Minuten Fahrt zahlt man etwa 3-4 Dollar.
Am ersten vollen Tag lernten wir über einen Kontakt in Deutschland (vielen Dank!) zwei liebenswürdige Einheimische kennen, die uns einige Stunden durch ihre Stadt fuhren und 2-3 Dinge zeigten. Leider ist die Stadt maximal auf das Auto ausgelegt – noch schlimmer – es türmen sich teilweise große amerikanische Fast-Food-Ketten nacheinander. Viel zu Fuß laufen ist hier nicht drin. Normale 10-minütige Autofahrten dauern in der Rush-Hour gerne mal 30-40 Minuten, erstaunlich für eine mit 316.000 Einwohnern doch eigentlich kleine Stadt. Die urbane direkte Umgebung erfasst jedoch etwa das Fünffache und erklärt diese ,,Mega-Staus“. Am heutigen Tag fand ich die längere Fahrzeit aber überhaupt nicht schlimm, so konnte ich meine wenigen ,,Spanisch-Skills“ etwas üben.
Die Hauptstadt glänzt weniger durch große Sehenswürdigkeiten – lebt eher von Atmosphäre und Alltag. Am schönsten ist es tatsächlich am Ilopango See, knapp 12 Km östlich. Hier reiht sich am Kratersee (davon gibt es viele im Land) ein Restaurant ans andere, die Aussicht ist dennoch wirklich schön, das Wasser angenehm warm und wohltuend für einen entspannten Urlaub. Ansonsten ist die Altstadt rund um den Plaza Morazán ansehnlich, für uns Touris gibt es jegliche Souvenirs u.a. im Mercado ExCartel. Der Name überzeugt auf jeden Fall schon einmal. Am vorherigen Tag schon einmal angeteasert, wir hatten hier oben bereits Empanadas mit Banane (platano) und Bohnenpaste (frijoles) probiert, ging es hoch hinaus in den Nationalpark El Boqueron. Oben kann man einen kleineren Spaziergang machen und in einen bewachsenen Vulkankrater schauen und die schöne Naturaussicht genießen. Hier gilt wie überall früh kommen, dann habt ihr die Wege noch fast für euch alleine.
Alianza FC 3:2 Fuerte San Francisco, 07.03.2026, Liga Mayor de Futbol, Estadio Cuscatlan, ~ 1000 Zuschauer
Es ist wahrlich immer beruhigend, wenn der Länderpunkt früh fällt und es zudem Tickets online über den Link des Instagram Accounts des Vereins zu kaufen gibt. Vor Ort habe ich übrigens keinen Verkauf gesehen, allerdings 1-2 Personen, die welche aus der Hand angeboten haben. Alianza ist mit FAS aus Santa Ana der größte Verein des Landes und darf demnach auch im größten Stadion spielen. 53.000 Plätze sind schon eine Hausnummer, insbesondere bis zu 3400 Logen (!), welche auch immer reichen Salvadorianer diese füllen sollen. Trotz der Beliebtheit waren es heute, wie sonst auch (Ausnahme die Topspiele und Derbys) nicht viel mehr als 1 % die im weiten Rund anwesend waren. Eine kleine bara brava gab es auf der Gegengerade, der Zaun auch mit einigen Bannern beflaggt, waren sie durchaus öfter zu hören, auch mit musikalischer Untermalung – aber in diesem Stadion kann es nicht sonderlich enthusiastisch bei einem ankommen. Auf dem Feld dominierte die Heimmannschaft lange und führte auch verdient 2:0, um durch zwei absolut haarsträubende Fehlpässe, spät den Ausgleich zu kassieren. Also wirklich haarsträubend – wie die komplette Mannschaft bei einer 2:1 Führung aufrückt und der Vorletzte Mann dann einen Alleingang versucht, wäre in Deutschland aufgrund fehlender taktischer Disziplin das Karrierenende gewesen.
Bestraft wurde Alianza am Ende jedoch nicht, erhielt man in der Nachspielzeit noch einen leicht zweifelhaften Foulelfmeter und konnte die drei Punkte behalten. Die Tribünen werden hier recht streng getrennt und trotz des geringen Zuschauerinteresses liefen wirklich zig Verkäufer herum, sodass das kulinarische Angebot gesichert war.
Tagesausflug nach Guatemala
Statt wie ursprünglich geplant spät abends die 90 Minuten noch nach Santa Ana zu fahren, wurde die Herberge in der Hauptstadt noch um eine Nacht verlängert. Am Ankunftstag ging es nicht wirklich anders, aber man muss ja nicht um jeden Preis, das (m. M. n.) minimale Risiko suchen. Der Sonntag sollte dann ein kleines persönliches Tages-Highlight werden. El Salvador ist ein wirklich kleines Land und Santa Ana liegt geographisch tief im Westen. Die Landesgrenze zu Guatemala ist nur knapp eine Stunde entfernt. Der Zufall wollte es so, dass knapp 20 Kilometer entfernt im guatemalischen Inland, im kleinen Ort Asuncion Mita ein Erstliga-Spiel stattfinden sollte. Guatemala, jetzt schon zwei Jahre her, ist bis heute in meinem Herzen und trotz damaliger 1 % Spanisch-Kenntnisse, einfach mein Sehnsuchtsland geworden.
Zurück nach Santa Ana. Die knapp einstündige Fahrt an die Grenze kann man für knapp unter 20 Dollar per Uber zurücklegen. Da wir allerdings die gesamte Zeit schon gemütlich unser Mietauto genutzt haben und ich es auch nicht im komplett untouristischen Grenzort San Cristobal abstellen lassen wollte, entschieden wir uns für den Chicken-Bus. In Guatemala gelten diese Busse tatsächlich als recht gefährlich, in El Salvador ist das aber auch völlig ungefährlich. Zugegeben, der Bus-Terminal Francisco Lara Pineda ist ziemlich heruntergerockt, aber was solls. Die Busnummern stehen alle am Bus dran, zum Teil sogar die Ziele, sodass man sein Ziel nur noch kurz bestätigen muss.
Wir standen also schnell am Terminal des Busses 236 und ließen uns von anderen Passagieren die Infos bestätigen. Ein Mann erwies sich als hilfreich und informierte über Preis und Abfahrtzeit. Er war Guatemalteke und hatte zwei Monate alte kleine Welpen dabei und wollte diese anscheinend in seinem Heimatland verkaufen. Etwas komisch wirkte sein Vorhaben, trotz größter Anstrengung verstand ich jedoch nur knapp 25 % – aber als Touri nimmt man die Hilfe ja erstmal gerne an. Nicht viel langsamer als ein Pkw tuckern die alten bunten Busse zügig von Haltestelle zu Haltestelle. Das Ticket kostete ca. 50 Cent, ich hielt die Zahl cincuenta (also 50) erst für einen Zahlendreher, bis ich die 0 davor verstand. Etwa die Hälfte der Strecke beschallte uns ein Gläubiger, der den Buspassagieren Geschichten über und Weisheiten von Gott in einer dermaßenen Lautstärke ,,mitgab“, dass er in Deutschland schon dreimal eine Ansage bekommen hätte. Da waren die sich vorbei drängelnden Snackverkäufer eine (leckere) Abwechslung. Aber gut, das Land ist stark religiös und das sollte respektiert werden. Respektiert wurden wir auch an der Grenze bei den Zollbeamten, als uns unser Freund an der langen Schlange vorbei nach vorne holte, um den Prozess zu beschleunigen. Tagestrips sind übrigens problemlos möglich. Hier im ländlichen nicht touristischen Gebiet, war es in El Salvador aber auch in Guatemala wirklich eine Herausforderung, das Spanisch überhaupt zu verstehen. Daher auch wieder Danke an unseren neuen Freund für das Geldwechseln zum fairen Umtauschpreis, ab dem Grenzübertritt wurde er allerdings etwas seltsam. Der Grenzbereich auf der guatemaltekischen Seite war fast menschenleer, sodass die einzigen geteilten Taxis auffielen. Unser Hundefreund wollte erst gar nicht mit, drückte uns dann beim Warten auf Mitfahrer die Welpentasche in die Hände und verschwand kurze Zeit, um sich ein (von uns gesponsertes, wie die Fahrt) Getränk zu holen. Kurz vor Abfahrt noch nicht da, sah es kurz so aus, als wären wir zu neuen Hundeeltern auserwählt worden.
Im kleinen Örtchen Asuncion Mita wurde dann die Vereinbarung getroffen, sich in knapp fünf Stunden wiederzusehen. Da war ich doch sehr skeptisch, ob das klappen sollte, wurde unser Begleiter etwas zum Problem, wollte er uns doch irgendwo hinführen (ich hörte nicht mehr zu), konnte ich ihn erst mit einigen Scheinen loswerden. Aber Danke für deine Hilfe! Asuncion hat als ,,Highlight“ ein Schwimmbad sowie einen nett ansehnlichen Dorfplatz mit Kirche oder Rathaus. Nach einem lokalen Taco Mittagessen hieß es bereits das Stadion ,,La Asuncion“ aufzusuchen.
CSD Mictlan 2:1 CSD Municipal, 08.03.2026, Liga Guate, Estadio La Asuncion ~ 1500 Zuschauer
Die Ticketpreise waren gegen den Rekordmeister hoch, 12 € in Guatemala für die Haupttribüne waren es uns nicht wert, also wurde unsererseits die Gegentribüne aufgesucht. Für Fotos konnte aus journalistischen Zwecken immerhin das gesamte Rund besichtigt werden. Für Frauen war im Eintritt eine Rose inkludiert, feierlich zum Frauentag, happy Frauentag! Das Spiel war so einseitig wie eine Partie zwischen Bayern und Meppen und bei den technischen Fähigkeiten manch eines Spielers des Heimteams wurde schon oft geraunt. Da würde sogar ich herausstechen, sodass ich den allgemeinen ,,schönen“ und durchgehenden Beschimpfungen der Heimfans fast mit einstimmen wollte.
Der Underdog ging natürlich auch früh in Führung, sodass Municipal, ohne sichtbar anwesende Auswärtsfans, fortan auf ein Tor anrannte. Der verdiente Ausgleich gelang in der Mitte der zweiten Halbzeit, wurde dann aber durch ein erneut spätes Nachspielzeittor von Mictlan pulverisiert und ließ das Stadion – für deren Verhältnisse – kurz beben. Wir standen schon halb auf dem Parkplatz, weil wir am Ende der Straße tatsächlich unseren Van entdeckten. Nicht ganz dort, wo ursprünglich vereinbart, aber doch punktgenau fuhr er uns zurück an die Grenze. Zurück auf der salvadorianischen Seite und etwas Warten auf den Bus, erzählte uns ein Taxifahrer nochmal wie sicher das Land doch nun sei. Selbst offen mit Spiegelreflexkamera und Handy in der Hand, passiere heutzutage nichts mehr. Ganz im Gegensatz doch zu Guatemala. Ganz so weit würde ich dann nicht gehen, aber es bestätigt das allgemeine Sicherheitsgefühl.
Volcano Santa Ana
. Am nächsten Tag gab es zuerst das klassische Frühstück (Bild) und dann früh das ,,große Highlight“ des Landes. Es soll eine lokale Verbindung geben, die meisten nutzen jedoch gebuchte und geführte Touren hoch hinaus auf den Vulkan Santa Ana. Das Naturschutzgebiet Cerro Verde (grüner Hügel) befindet sich mit dem Auto etwa eine Stunde südlich von Santa Ana. Der Eintritt liegt (neben Parkgebühren) erst bei 6 und anschließend nochmal bei 3 Dollar für einen Guide. Dieser ist verpflichtend, auch wenn es sein kann, dass dieser irgendwann bei Auf- oder Abstieg verschwindet.
Ebenso ratsam ist es, vor 11 Uhr anzukommen, da danach angeblich keine Guides mehr verfügbar sind. Diese Entscheidungen sind doch etwas willkürlich, der Wanderweg selbst ist eindeutig erkennbar und für trainierte Menschen auch in unter einer Stunde zu bewältigen. In manch langsameren Gruppen kann das Ganze auch bis zu zwei Stunden dauern, vereinzelte steinigere Passagen gibt es zwar, aber das ist eigentlich für jeden machbar. Oben ergibt sich nicht nur der weite Ausblick auf weitere Vulkane und Berge, sondern auch auf den Kratersee – mit seiner grün-türkisfarbenen, knalligen Farbe ein bezauberndes Schauspiel. Wenn die Berghunde
Schade, dass einem der Ausblick nur in einen kleinen Bereich von den Guides gewährt wird, da sind sie sehr streng, diesen Entzug des Abenteuers können aber streunende Hunde wettmachen, die sich ab und an den Wanderern anschließen und problemlos über Stock und Stein springen. Beeindruckend. Der Abstieg sollte problemlos in unter einer Stunde geschafft sein. Ich habe hier seit Guatemala etwas Panik, aber damals bin ich auch mit kaputten Sneakern einen weitaus längeren Weg im wahrsten Sinne heruntergeschlittert. Man lernt ja bestimmt aus seinen Fehlern 😊. Am Nachmittag wurde noch das Nationalgericht Pupusas (gefüllte Maisfladen, geschmacklich gut, aber abhängig vom Inhalt z.B. Käse, Bohnen, Fleisch) diniert (mit versch und etwas im großen Markt herumgeirrt. Nichts brachial Interessantes, aber doch immer und überall eine Pflicht To-Do.
Am nächsten Tag ging der Roadtrip einmal quer durchs Land bis hoch in den Norden El Salvadors nach Suchitoto. Wer noch nicht der allerbeste Autofahrer ist, kann dies an den Außenbezirken der Hauptstadt, an denen uns die Route vorbeiführte, üben. Volle, sehr schmale Straßen, bergauf und bergab. Hat sogar richtig Spaß gemacht. Generell empfand ich das Autofahren aber als sehr einfach. Ja, es wird z.B. links und rechts überholt, aber die typisch deutsche Denkweise muss sowieso abgelegt werden. Dann ist der Straßenverkehr – wie auch die Menschen entspannt. Suchitoto gilt als Kulturhauptstadt und überzeugt mit seinen im kolonial Stil gehaltenen Häusern und Gassen. Die kleinen Cafés sind süß und der Ausblick auf den Suchitlan See ist phänomenal. Bei gesunden 38 Grad war es leider nicht so leicht, die Stadt richtig wahrzunehmen. Im Restaurant überzeugten meine Spanish-Skills so sehr, dass ich statt eines Smoothies ein Maracuja-Kuchenstück erhielt. Aber lecker!
Erneut zum Fussball! – C. D. Fuerte Aguilares 0:2 CD FAS, Copa Presidente, 10.03.2026, Cancha Fesa. Guazapa ~ 500 Zuschauer
Schon einige Wochen vor Reisebeginn stellte ich fest, dass innerhalb der Woche Pokalspiele in El Salvador stattfinden sollten. Diese wurden auf den offiziellen Kanälen des Pokals – sogar vom Präsidenten persönlich geteilt – veröffentlicht und zeitgenau angegeben. Gut, einige Tage vor dem zweiten Spieltag der Pokalgruppenphase änderten sich noch ein paar Daten, aber in diesem kleinen Land gibt es keine allzu großen Wegstrecken. Dennoch waren nur drei Spiele in der Nähe und zeitlich passend und ich entschied mich für das des größten Vereins im Land, CD FAS. Zusätzlich: Das relativ neu gebaute ,,Stadionareal“ in Guazapa gab es noch nicht in der Futbology-App und hat mir ein kleines ,,Alleinstellungsmerkmal“ verschafft. Etwas Selbstdarstellung muss sein.
Als wir 30 Minuten vor Anpfiff ankamen, war der viel zu eng gebaute Parkplatz schon so gut wie voll. Gut, dass hier jeder Zweite ein SUV (inkl. uns) fährt, aber die örtlichen Polizeibeamten halfen bei Ein- und Ausfahrt. Der Ground selbst besteht auf einer Torseite aus einem kleinen Restaurant mit Blick auf das Feld und auf einer Längseite aus einer langen Stehtribüne. Diese unterteilt in einen gut gefüllten Gästeblock und dem Heimbereich. Bei solch einem Underdog-gegen-Goliath Spiel waren die Terrassen gut von den Locals gefüllt. Wir als Gringos fielen natürlich wieder maximal auf, die Umstehenden waren auch hier freundlich und auch sehr interessiert und ich versuchte, deren Fragen zu beantworten.
Was diesen Ground allerdings ausmacht, ist der omnipräsente Blick auf die Hügel bzw. Berglandschaft „Cerro de Guazapa“ im Hintergrund. Sowas reicht bei mir schon um ein Top-Ground zu sein und ich hatte hier meinen Spaß. Der Tabellenerste der First Division spielte die Amateurmannschaft gut her, konnte schlussendlich zwar nur zwei Tore erzielen, die gelegentlich am Support beteiligten Gästefans aber scheinbar zufriedenstellen. Am Ende eine klare Sache, aber mit deren soliden Zaunbild, ein rundes Ergebnis. Zurück in Suchitoto und in der Unterkunft gab es erneut den traumhaften (Abend-)Ausblick. Da läuft man Gefahr sich an so etwas satt zu sehen.
Zwischen Bergen und Pazifik – Vom Vulkan an den Strand
El Salvador vermarktet sich damit, dass jeder innerhalb weniger Stunden aus den Bergen am Strand sein kann. Wir taten dem gleich und verbrachten die nächsten zwei Tage an der Küste. Der Ausgleich am Pool und Privatstrand tat dann doch gut. Die Strände sind oftmals fürs Schwimmen abgesperrt, da die Wellen ziemlich stark sein sollen. Nicht umsonst gelten hier einige kleine Orte um El Tunco und El Zonte als beliebte und hochtouristische Surferspots.
Nicht meine Welt – da chille ich dann ausnahmsweise doch lieber am Pool und genieße bei angenehmer Wärme den Hostelhundi und – da ist er wieder – einen phänomenalen Ausblick.
Bevor die Rückreise angetreten wurde, taten wir noch etwas, was ja seit eh und je meine absolute Lieblingsaktivität ist: Dort essen, wo es wirklich kein Touri tut.
Der Ort La Libertad, auch noch an der Küste gelegen, wird zwar von einigen Reisenden besucht, aber mein zufällig ausgewählter kleiner Markt wurde und wird bestimmt nur von Einheimischen benutzt.
Das Sandwich war gut – aber zeitgleich machte ich einen folgenschweren Fehler – Ich bestellte, weil ich wirklich keine Lust mehr auf Wasser oder die üblichen Softdrinks hatte, ein ,,Refresco con piña“. Erstmal ein Erfrischungsgetränk, so weit so gut, aber dass diese an solchen untouristischen Orten mit dem örtlichen Leitungswasser gemixt werden, war mir bewusst, aber am letzten Tag wird doch nichts mehr passieren – oder?
Der erste Rückflug über Texas, Houston, wurde zu einem Mini-Sightseeing-Tag genutzt. Ein lokaler Burgerladen, einmal in einen verrückt großen Supermarkt und die Skyline bestaunen. Da verging die Stopp-Over Zeit zügig und ich freute mich auf den Nachtflug zurück nach Deutschland.
Kurz vor dem Boarding meldete sich mein Körper und schlug Alarm. Der Rückflug war der Schlimmste meines Lebens und die folgende Woche (bei der Begleitung auch Wochen) gab es Salzstangen und viel Wasser. Obwohl ich mich selten so Schwach gefühlt habe und das nicht vergessen werde, kann ich diesen Bericht ja nicht so beenden.
Mea culpa – das Land hat mich deutlich positiver überrascht als erwartet. Die Menschen sind offen und unkompliziert und El Salvador lebt genau von dieser Atmosphäre. Küste und Berge im Norden sind landschaftlich wirklich schön und ich bin mir sicher, dass das Land seinen sicheren Weg und wirtschaftlichen Aufschwung weitergehen wird. Ich bin froh, es noch in dieser Phase vor dem absoluten Massentourismus besucht haben zu dürfen. Die großen US-Firmen sind teilweise schon da und die amerikanischen Touristen längst auch.


























