Der Kontinent Afrika hat mich bis jetzt nie wirklich gereizt und bis auf den Norden soll (ist) der Fussball wenig ansehnlich, das Essen weniger schmackhaft und die sehr armen Nationen und Bevölkerungen für uns Europäer mindestens gewöhnungsbedürftig sein. Soviel an Vorurteilen, von der Armut mal abgesehen, das meine ich nicht negativ, aber dieses ,,anders“ sollte doch gerade mich anlocken? Flüge aus Europa sind recht erschwinglich und die generellen Preise in Nairobi sind ebenso bezahlbar. Da ich nur einmal hier sein werden würde, sollte es in Anschluss an drei Tage Nairobi noch eine fünftägige Safari-Tour durch den Masai-Mara und den Ambroseli Nationalpark geben. Eine fast mittlere vierstellige Summe für zwei Personen musste dafür aufgerappelt werden. Die Anreise mit Türkish-Airline ist entspannt, zwar mit Zwischenstopp in Istanbul, dafür gab es aber selbst auf dem innereuropäischen (Hin)Flug Kost gratis. Die Ankunft um 3 Uhr nachts in der kenianischen Hauptstadt Nairobi ließ sich nicht vermeiden sodass übermüdet die erste Preisverhandlung startete.

Reiseinfos Kenia:

Uber und Bolt funktionieren in Nairobi einwandfrei und sind kostengünstig. Uber wird, auch von Einheimischen, als die sicherere Wahl angesehen. Kartenzahlung ist möglich, nicht so gerne gesehen, aber die Akzeptanz wächst definitiv. Das beliebteste Zahlungsmittel ist jedoch MPesa (bei Uber Fahrten ,,Cash“ angeben und bei Erreichen des Ziels nach MP fragen). MPesa ist so etwas wie das kenianische PayPal und jeder Einheimische im Land besitzt es. Das Prinzip funktioniert über eine App und einer verbundenen Telefonnummer. Eine physische Simkarte des Anbieters Safaricom ist unerlässlich und notwendig. Gibt man die Telefonnummer des Verkäufers/Dienstleisters in die App ein, überweist man die entsprechende Summe. Eine kleine, aber geringe Gebühr (z.B. bei 1000 Sh, 6,67€ umgerechnet, 9cent) wird bei jeder Transaktion über 100 Schilling fällig. Um Geld in die App aufzuladen, gibt es überall kleine Shops wo mit Bargeld das Konto aufgeladen (und abgehoben) werden kann. Alternativ, online, ist es möglich über Drittanbieter wie „Wise“ Geld auf MPesa zu überweisen.

Zurück zur Ankunft. Nach kurzer Verhandlungsrunde und Abwimmeln drei anderer Taxifahrer, ging es die 20 Minuten ins Zentrum. Der inoffizielle Taxifahrer befuhr die Nebenstraßen, die gerade nachts angeblich nicht so ganz ungefährlich sein sollen. Mittig gibt es noch eine überwachte Mautstraße, wer sich sicherer fühlen möchte, bucht sich also ein Uber oder gibt die Maut an. Nach wenigen Stunden Schlaf und dem Frühstück hieß es zum ersten Mal in alleine in die weite Stadt zu gehen. Nairobis Zentrum (wir waren im CBD District) ist generell für Weiße sicher, selbstverständliche Handlungsanweisungen in armen Ländern sollten jedoch befolgt werden. Kein Schmuck, keine teuer aussehenden Kleidungsstücke, auf nächtliche Spaziergänge verzichten, Handy/Geld nur rausholen wenn es wirklich notwendig ist, gerade vor offenen Handy Diebstahl von Motorbike-Fahrern wurden wir sehr oft von den Einheimischen gewarnt. Soll mittlerweile ja auch in London stark verbreitet sein, mein Handy holte ich also nur an/neben bewachten Banken und Märkten heraus.

Ich holte mir also eine kenianische SIM-Karte und der erste Stop sollte gleich der größte Kulturschock werden. Die lokalen Märkte. Es gibt einige davon in Nairobi und im Gegensatz zu den vielen touristischen Malls (die besser, sauberer und sicherer als die in Deutschland sind) seht ihr – und auch die einheimischen Verkäufer – keine weiteren Muzungus. Muzungu ist im Swahili die Bedeutung und der Rufname für ,,Weiße“. Mir wurde mehrmals versichert, dass es ohne negativen Kontext verwendet wird, ich würde die Definition aber noch auf ,,reiche“ Weiße ergänzen. Auf unseren Markt, der ,,Muthurwa Market“, hat uns jeder zweite Muzungu zugerufen, um anschließend seine Produkte zu verkaufen. An Produkten gibt es alles. Also wirklich alles. Von Lebensmitteln, Unterhaltung, Haushaltsprodukten, Kleidung bis hin zu Lebensmitteln. Alles. Am Markteingang, hier ist es richtig laut und wuselig, wird man etwas verfolgt, da einige ihre Dienste als Führer anbieten wollen. Diese lassen irgendwann aber von einem ab und sind meistens auch alkoholisiert (oder sonstige Drogen). An das dauerhafte Angesprochen Werden gewöhnt man sich irgendwann, hier wurde ich fast aus meiner ruhigen Art zur extrovertierten Person.

Den Bereich, vielleicht hätte ich doch einen Guide benötigt, der ,,Restaurants“ haben wir trotz 90 Minuten Einblick und Spaziergang nicht gefunden, wahrscheinlich waren wir um 14 Uhr auch schon etwas spät dran. Natürlich versucht hier jeder sein Business zu machen und mit den erhöhten Preisen für Muzungus seinen Lebensunterhalt zu sichern, gekauft wurden dann aber zwei T-Shirts bei einem der wenigen Herren, der einen mal nicht selbstständig angesprochen hat. Etwas Smalltalk. Immer freundlich bleiben und das Verhandeln gehören hier zum Standard Repertoire.

Kenia (W) 3:1 Gambia (W) – 24.10.2025, 16: 00 Uhr – Nyayo Stadium ~ 3500 Zuschauer

Gegen 15 Uhr realisierten wir, dass wir nun zügig zum Ground müssten. Der Ausweg aus dem Markt war gar nicht so leicht zu finden. Interessanterweise sind die verschiedenen hier lebenden Nationen auf verschiedenen Seiten des Marktes (u.a. Äthiopien, Süd-Sudan), gegenseitige Sympathie ist scheinbar auch nicht vorhanden.

Komischerweise, eher blöderweise, cancelte das erste Uber im Auto die Fahrt und zwei weitere nach der Buchung. Dadurch vergingen wertvolle Minuten und erst im Auto des vierten Fahrers realisierten wir warum: Der Freitag-Nachmittag Stau sorgte dafür das aus einer 10 Minuten Strecke 30+ wurden und so verpassten wir den Anpfiff um einige Minuten. Noch ärgerlicher bei einem Länderspiel mit Nationalhymnen. Immerhin hatte der Verband ordentlich aufgerufen, sodass etwa 3000-3500 Zuschauer für ein afrikanisches Frauen Länderspiel echt gut sind. Tickets gab es über einen Link auf der Instagram Seite der Harambee Starlets (= Swahili all together) online, bezahlbar mit Kreditkarte oder eben MPesa (Achtung, bei normalen Ligaspielen gibt es die Tickets meistens nur online und nur bezahlbar mit MPesa).

Anfangs war ich etwas skeptisch hierher zu gehen, habe ich schon von der Herrenliga wenig erwartet, wurde ich spielerisch dann doch eines Besseren belehrt und positiv überrascht. Nach der schnellen Führung Gambias (2. Min) zeigten die Harambee Starlets das sie technisch auf einem anderen Level waren. Schnell wurde innerhalb der ersten Halbzeit das Spiel gedreht und ausgebaut. Ja, zum Teil beruht das Spiel auf den langen Schlag und den schnellen tiefen Läufen, aber Stärken sollten ja auch ausgespielt werden. In Halbzeit 2 passierte nicht mehr viel und die allgemeine Stimmung im Rund wurde immer häufiger zu einem Raunen, als einige elegante Spielzüge gut saßen und Euphorie auslösten. Die Tore wurden lautstark bejubelt, aber generell war die Stimmung sehr gelassen. Das Rückspiel (eine Woche später) gewann Kenia übrigens ebenfalls, sodass sich die Damen für den Africa-Cup qualifizieren konnten.

Danach, der Kontinentalpunkt Afrika in der Tasche, ging es in ein Ketten-Restaurant (Pronto), wo für knapp 8€ zwei Hauptspeisen reingehauen wurden. Obwohl die Kenianer Inder nicht mögen zu scheinen, hat das indische Essen einen gewissen Einfluss an die kenianische Küche genommen. Das meiste ist recht scharf und intensiv (indisch) gewürzt, mir hat es gut geschmeckt. Abends im District herumzulaufen schafft nicht weniger Blicke, aber ich habe mich selbst in der Dunkelheit zu keinem Moment unsicher gefühlt.

Kibera – Das größte Slum Afrikas

Nach dem ersten übermüdeten und ereignisreichen Tag und guten neun Stunden Schlaf, stand erneut etwas Besonderes an. Es ist ein schwieriges Thema und es obliegt mir nicht dieses (vollumfänglich) zu bewerten. Eine Slum Tour durch Kibera, das größte Slum Afrikas. Generell steht Kenia von der Wirtschaftsleistung, dem Reichtum/ der Armut gesehen im Mittelfeld im Vergleich mit allen anderen afrikanischen Staaten. Der Safari Tourismus bringt etliche Milliarden ein, aber was davon bei der Bevölkerung ganz unten ankommt (Korruption etc.), kann niemand genau sagen. Die Kibera Tour, Treffpunkt der Organisation war in einer Mall, vor einem Supermarkt, nicht umsonst so gewählt, so wird empfohlen (optional) ein paar Lebensmittel für die Kinder und Menschen zu kaufen und mitzubringen. Wir hatten also für etwa 40€ (unmöglich einzuschätzen was okay ist) eingekauft und dann ging es zusammen mit einer Japanerin zum Office der KCOOP Organisation in den Slum. Es sollen 50% der Einnahmen zurück in die Community fließen, u.a. an ein ,,after school“ Programm.

Die Bilder vor Ort sind brachial. Blechhütte an Blechhütte eng aneinandergereiht, schmale (steile) gravel/dirt Wege dazwischen, die bei etwas Regen komplett überlaufen und kaum begehbar werden. Auch im Slum gibt es unterschiedliche Districts, so gibt es z.B. auch viele Menschen aus dem Südsudan – erneut trotz größter gemeinsamer Armut, herrscht wenig Sympathie untereinander. Ein kritischer Punkt in Kenia ist, dass staatliche Schulen nicht umsonst sind und somit die Zukunftsaussichten noch düsterer sind. Aufgrund der hohen Fertilitätsrate (4-5 Kinder) sind die Schulkosten nicht bezahlbar, Einen monatlichen ungefähren Einkommen von etwa 20-70 USD stehen jährliche Schulkosten (je nach Klassenstufe) von 50-600 USD gegenüber, also ist es quasi unmöglich allen Kindern die Bildung zu ermöglichen. Etwa 15-20% der Menschen aus dem Slum arbeiten im Stadtkern, der Rest versucht hier inmitten von täglicher Armut und Verzweiflung sein Business aufzubauen, ein unüberwindbares Unterfangen.

Schwierig war es auch, als wir im lokalen Community Plastikgebäude ankamen und vor uns 50-60 Kinder saßen. Sie sangen etwas vor und die mitgebrachten ,,Geschenke“ sollten verteilt werden. Ich hielt mich raus, die anderen beiden verteilten die Süßigkeiten gemeinsam mit den Guides. Die Geschenke sind sicherlich ein täglicher Lichtblick im Leben der Kinder, aber das ,,Vorführen und Verteilen“. Explizit durch die die Muzungus (Weißen) verschärft doch noch viel mehr das unangenehme Bild der Einheimischen und sollte besser vermieden werden. Lieber verteilen, wenn die Verschenkenden (wir wurden dabei von unseren Führern als ,,Weihnachtsmänner“ betitelt – übrigens sind 70% der Kenianer Christen) nicht dabei sind. Abschließend wurde eine Blechhütte von innen besichtigt, wahrscheinlich ein Vorzeigeobjekt, ein enger Raum (3*3/4 M) für bis zu acht Personen ohne Wasser und Bad. Immerhin mit Stromanschluss, der wird illegal von der Regierung abgekappt, die Hygiene dagegen läuft über öffentliche Toilettenhäuschen, die jedes Mal Eintritt kosten. Generell ist das gesamte Slumgebiet illegal, aber viel passiert von der Regierung nicht. Weder im positiven noch im negativen. Diese hat zwar mal versucht Blechhütten durch Häuser zu ersetzen, nur den Bewohnern helfen tut das nicht. Sie wurden vertrieben und konnten sich die neuen Gebäude nicht mehr leisten…

Nach diesem mulmigen Gefühl und dem Ende der Tour, wurde der heutige Ground extrem frühzeitig angefahren. Da das Stadion einen Tag vorher und die Anstoßzeit wenige Stunden vorher, verschoben wurden, ist wohl ,,Afrika-like“, aber die Vereine und die Liga haben nützliche und aktive Instagram-Auftritte.

AFC Leopards 2:1 Kenya Commercial Bank – 25.10.2025, 16:00 Uhr – Ulinzi Sports-Complex – 1322 Zuschauer

Die sehr frühzeitige Anreise hatte neben der Ground-Sicherheit noch etwas Gutes, so konnte sich im Vereinsheim/Restaurant noch eine Mahlzeit gegönnt werden. Ugali, eines der Nationalgerichte, ein Maisreis mit Gemüse. Es ist geschmacklich in Ordnung, wobei gerade der Maisrais der sättigend und geschmacksneutral ist. Dann die große Überraschung beim Bezahlen, trotz mehrmaliger Bitte dessen, wurde dies abgelehnt. Wir hatten vorher gekaufte Getränke bereits bezahlt, aber woher und durch wen diese nette Geste kam, kann ich nicht sagen. Asante (Danke)!

Das Spiel sollte ursprünglich auf einem Platz ohne Ausbau stattfinden, umso erfreuter war ich, dass es doch das Ulinzi geworden ist. Ganze zehn (!) von einander abgetrennte Tribünen stehen um das Spielfeld herum und erzeugen wirklich ein einzigartiges Stadionbild. Der Zustand aller Sektionen sah gleich gut aus, meine Vermutung das kurz mal das Geld ausgegangen sein könnte, war als hinfällig. Das riesige Areal befindet sich in einem Militärkomplex bzw. einer Kaserne, daher stammt vielleicht auch das notwendige Kleingeld.

Ebenfalls überrascht hat mich die Tatsache, dass alle Tribünen offen, frei zugänglich und auch vereinzelt von den Menschen benutzt geworden sind. Die Kenianer lieben Fussball, jedoch wird die englische Premier League im Fernsehen bevorzugt (selbst in den Slums gibt es Live-Übertragungen in ,,Bars“, die trotz Eintritt gerne besucht werden). Die heutige Zuschauer Zahl von 1300 Personen war für die Verhältnisse dann eine gute Nummer. Auf einer der Gegentribünen schienen so etwas wie die ,,richtigen“ Anhänger sich platziert zu haben, ganz vereinzelt wurde aus der Masse heraus etwas angestimmt, am lautesten wurde es im Rund aber dann, wenn es spielbezogen spannend wurde. Die Lautstärke der Vuvuzelas und der emotionalen Menschen erreichte phasenweise doch einige Höhen. Technisch war das Spiel dem der Frauennationalmannschaft nicht unterlegen, das Spielkonzept fungierte aber auch über lange tiefe Bälle hinter die Kette und der Hoffnung der Schnellere zu sein. Spannend und eng bis zum Schluss, konnte der Gastgeber seinen ersten Sieg holen und sorgte nach Abpfiff im Stauverkehr vorm Stadion für Feierlaune. Feierabend Verkehr im wuseligen Straßenleben von Nairobi ist auch eine Geschichte. Am selben Abend wurde ein Motorradfahrer vor unseren Augen weggerammt und einmal wurde unser Taxi selbst seitlich leicht erwischt. Dem Fahrer ging es augenscheinlich gut und unser Taxi fuhr normal weiter, es scheint einfach Alltag zu sein.

Für uns gab es am Abend im Restaurant die Premiere, äthiopisches Essen (des ungeliebten Nachbarn) auszuprobieren. Dies ist eine typische Essensplatte, „Beyaynetu“, auffällig das weiße und braune Injera, ein äthiopisches Fladenbrot aus Teffmehl, welches leicht sauer schmeckt und eher im Zusammenhang mit den anderen Gerichten genießbar, als einzeln, ist. Anfangs dachten wir tatsächlich, dass es nicht essbar sei, weil es äußerlich doch sehr einem Handtuch ähnelte.

Am Sonntag stand dann das klassische Sightseeing in Nairobi an – Klassisch hierbei mit „Anführungszeichen“, denn die Nr. 1 der Stadt ist der Nationalpark Nairobis. Zentral gelegen, fast schon im Stadtkern gelegen, anliegend am Armenviertel Kibera, kann hier das typische ,,Game-Drive“ für die Tierbeobachtung erlebt werden, aber auch für die einzelnen Attraktionen der des Elefanten-Waisenhauses oder des Giraffen-Centers. Da alles im Parkgebiet liegt, wird die hohe Tagessumme von 80 USD (Afrikaner und Einheimische zahlen weniger) als Eintritt erhoben. Die Kuh muss gemolken werden, schon klar. Sofern es denn bei den Tieren ankommt und nicht in der Korruption und den Unruhen (In Kenia sind im Sommer mehrere Menschen gestorben, im November bei großen Unruhen im Nachbarland Tansania bis zu mehrere hundert Menschen) zum Opfer fällt.

Nun ja, wir buchten die Tour mit den beiden Attraktionen (ohne game-Drive) und zahlten dafür alleine fast 300€. Lohnt sich das? Im Sheldrick Wildlife Trust wird jeden Tag eine Stunde eine öffentliche Fütterung der verwaisten Elefanten durchgeführt. Die dreizehn Elefanten waren ganz süß, der Zweck der Erziehung und zu einem späteren Zeitpunkt die geplante Freilassung ist ein Guter, keine Frage. Warum die Tiere aber bis an die Absperrung gelassen werden, sodass die Besucher sie anfassen und streicheln, ergibt sich mir nicht. Das könnte der Förderung der Wiederauswilderung doch erheblich schaden, wenn solch naher Menschenkontakt zugelassen wird. Im Giraffencenter übernimmt man die Fütterung gleich selber und verteilt Pellets an die übergroßen Tiere. Auf Augenhöhe mit denen zu stehen ist cool, aber auch hier verlieren die Tiere ihre natürliche Scheu und das ganze sollte mindestens als problematisch angesehen werden. Ich bin leider nie der größte Tierschützer gewesen, hier habe ich jedoch arge Probleme diese beiden ,,Top-Sehenswürdigkeiten“ guten Gewissens weiterzuempfehlen. Unsere Tour-Besatzung wurde anschließend noch bei einer „Perlenfabrik“ abgeladen um dann hungrig im absolut überteuerten Touri-Restaurant zu speisen. Das Ganze war vorhersehbar, aber bei diesen Preisen (fünffach) für Mensa-Essen kann niemand gut gelaunt sein.

Nach diesen drei eindrucksvollen Tagen war Schluss mit Nairobi. Vorher habe ich gehört, dies sei zu viel, m. M. n. ist es zu wenig Zeit gewesen. Ja, die Stadt hat bis auf den Nationalpark wenige bis keine anderen Sehenswürdigkeiten, aber ist man das erste Mal hier, das erste Mal in Afrika ist die Vielfalt an Eindrücken brutal – Ich wäre liebend gerne noch auf den ein oder anderen Großmarkt gewesen und noch zigfach als Muzungu freundlich herbei gerufen worden.

Jetzt standen fünf Tage Safari Tour in den beiden beliebtesten und weltbekannten Nationalparks Kenia an. Fünf Tage sind nicht billig, erst recht, wenn es eine private Tour ist, aber nur dann ist etwas zeitliche Flexibilität gegeben. Am Montag früh stand die gebuchte Organisation mit allen sechs Mitarbeitern vor unserem Frühstückstisch und begrüßte uns erfreut. Ich stand kurz unter Schock, so viel direkte Begrüßung war überraschend – doch nach kurzer Einweisung und Übergabe kleiner Geschenke (z.B. ein Touri-Safari Hut) waren wir mit unserem Guide Patrick im Landcruiser. Dieses Upgrade von Bus (Van) auf Jeep waren nochmal 60 USD pro Tag zusätzlich, aber bei der Gesamtsumme irgendwie egal. Ein sinnvolles Upgrade wie es sich später noch herausstellen sollte.

Der erster Halt war ein Aussichtspunkt auf den Nationalpark von oben. Die ganzen Touren haben fast immer an denselben Anhaltpunkten, sodass ab jetzt nur noch andere Touris und kaum noch Einheimische aufzutreffen waren.  Die Methode die Währung der Touristen gegen Schillings anzubieten, kannte ich auch noch nicht, aber jeder versucht sein Business. Nach ganzen sechs Stunden Fahrt, ab Stunde vier wurde die geteerte Straße eine Gravelstraße und das holprige Fahren begann und sollte auch nicht mehr aufhören, kamen wir in der ersten von drei Unterkünften der Woche an. Glamping mitten in Afrika. Das Ganze ist schon sehr luxuriös aufgebaut und es fehlt einen an Nichts. Dazu drei solide Mahlzeiten (westlich und indisch angehaucht), Mitarbeiter die jederzeit aufrufbar waren, Taschen sofort trugen (um abschließend ihr Tip, Trinkgeld zu erhalten), für alles war gesorgt. Nachts waren zwar alle möglichen Tiere zu hören, aber in das (undichte) Zelt schaffte es keinerlei Insekt.

Tanzen mit Ureinwohnern?

Nach kurzer Erholung gab mein absolutes Highlight der gesamten Reise. Es ging zu Besuch in ein Massai-Dorf und dort wurden wir von einer Gruppe Dorfbewohner empfangen. Empfangen durch ein Chorgesang, praktisch Wechselgesänge, die durch die Stimmen mit einem Brummen, Stampfen oder Klatschen intensiviert werden und uns Schritt für Schritt näherkommen. Soweit so gut, der nächste Schritt ist der ,,Adumu“, der springende Tanz. Dieser ist ausschließlich für männliche Besucher, weibliche werden zum Filmen animiert, die im Halbkreis der Bewohnergruppe und mit denen abwechselnd hochspringen müssen. Dieser Teil einer (alten) Kriegszeremonie wird selbstverständlich auch vom tiefen Singen und Brummen begleitet. Wirklich eine Chance das Abzulehnen gab es nicht, sodass ich die fünf Minuten mit so hoch wie möglich hüpfen musste (Ausdruck für Kraft, Ausdauer und Eleganz). Im Nachhinein ganz lustig, war es im Moment doch sehr unangenehm. Abschließend wurde noch das Feuermachen, das Dorf selbst und die Verkaufsmeile (für Touris gezeigt). Trinkgeld und Kauf eines Souvenirs war praktisch verpflichtend. Interessant am Dorf und den Traditionen war der Punkt, dass Frauen nicht sichtbar waren. Sie verharrten in den dunkeln engen kleinen Bauten und sind, wenn es die Männer wollen, auch an mehrere Männer gebunden. Nach dem wir zurück bei Patrick waren, kamen vier weitere Jeeps angefahren. Dieses Business floriert ziemlich, bei mehreren Touris hätte ich mich beim Tanzen auch in den Hintergrund stellen können, so war ich kurz der weiße Mozungu im Mittelpunkt, ein nicht sehr angenehmes Gefühl.

Safari – Atemberaubend und Geldruckerei?

Am Dienstag startete das ,,Game-Drive“ und wir fuhren im Jeep etliche Stunden durch den Masai-Mara (1.510 km² groß, etwa 211.000 Fußballplätze). Die Bilder sind imposant und benötigen keine großen Worte. Hunderte Zebras(deren Muster, Farbe und Körperbau sieht einfach cool aus!), Elefantenbabys, kleine spielende Löwen. Bis auf die Rhinos (schade) konnten wir alle (möglichen) Tiere auffinden, die Guides sind im Park sehr gut vernetzt und stehe per Funk jederzeit im Kontakt.

Jetzt kommt mein großes aber: Nicht der hohe Preis von 200 USD pro Tag pro Person, sondern die Nichteinhaltung der Safari Regeln stoßen mir sehr übel auf. Ja, die Bilder sind fantastisch, selbst mit der schlechtesten Handykamera bekommt ihr die ,,besonderen“ Tiere gut in die Linse, aber sie können nur entstehen, weil alle (durchgängig!) Guides die Regeln missachten. Eigentlich darf nur eine bestimmte Anzahl an Autos an einem Tierobjekt stehen und es muss theoretisch ein Mindestabstand von 20 Metern (je nach Areal auch mal mehr/weniger) eingehalten werden. Ich habe unseren Guide auch dazu befragt, aber das wurde lächelnd weggenickt mit dem Hinweis, dass bessere Bilder natürlich bessere Bewertungen (Anm. meinerseits, mehr Trinkgeld) schaffen. Das Löwen sich in den Schatten der vielen Autos setzen und somit fast greifbar aus den Jeeps heraus sind, ist majestätisch, andererseits sind die Tiere so dermaßen an uns Menschen gewöhnt, dass man kaum noch von freier Wildbahn sprechen kann (es gibt keine Umzäunung der meisten Parks).

Am Mittwoch ging die frohe Tour weiter an den Lake Naivasha. Auch hier gibt es im kleineren Umfang Tiere zu sehen, insbesondere im Wasser, viel davon fiel für uns aber sprichwörtlich ebenso ins Wasser, da es auf dem kleinen Boot mitten auf dem See heftig anfing zu regnen. Die nebelige und nasse Landschaft zeigte ein ganz anderes, mystisches Bild von diesem Ort und dem Land, konnte aufgrund der Wetterverhältnisse jedoch nicht so genossen werden wie geplant. Die nächtliche Lodge war im Übrigen ebenso wenig genießbar, bzw. mindestens seltsam, wenn man der Einzige Gast in einer riesigen Hotelanlage gewesen zu sein scheint.

Nach einer erneuten langen Autofahrt vorbei an etlichen kleinen Städten, dessen Armut der im Kibera Slum nicht sehr abwich. (die meisten Kinder winkten entweder freundlich in das Auto oder versuchten mit dem Essen/Geld-Bettel Handsymbol auf sich aufmerksam zu machen) kamen wir am Donnerstagnachmittag im zweiten Park, dem Ambroseli an. Diesmal eine volle Luxus-Lodge, von der einem morgens der klare Blick auf den Kilimandscharo gewährt worden ist, der sich nur einige Kilometer entfernt auf der tansanischen Seite befindet.  

Der (insgesamt deutlich kleinere) Ambroseli Park hat mir dann deutlich besser gefallen. Klar, auch hier wurden wir zu einem Spot an der Grenze gefahren, an welchem uns ein Militär fünf Minuten einen Fluss (mit weit weit entfernten Krokodilen) zeigte und anschließend auch brav die Hand aufhielt, nervig, allerdings wird der Park eben aufgrund der staatlichen Aufsicht besser bewacht und hier wird z.B. mehr auf den Mindestabstand geachtet. Die ,, Straßen “ sind katastrophal, hätten wir den Bus gewählt, wäre das schwierig geworden, Offroad sowieso, aber aufgrund einiger Sümpfe und einem großen See, wirkte es zumindest so, als könnten die Tiere hier mehr Abstand gewinnen.

So konnte ich schlussendlich doch meinen inneren Frieden schließen und die Fahrt etwas genießen. Das Grundlegende Konzept einer Safari Tour: Mit dem Flugzeug ankommen, ins Touri-Auto, von einen Spot zum anderen gefahren werden, Trinkgeld geben, Lodge Check-in, kleine Tour erhalten, Trinkgeld geben und abschließend wieder am Flughafen auszusteigen, werde ich allerdings nie gutheißen. Das entspricht nicht meinem Naturell – Dem realen Leben, etwa das Treiben in Nairobi (die Arbeiter auf der Safari haben gelacht) gefällt mir deutlich besser als nur ein hinterher trottelnder Touri zu sein. Ja, es lässt sich nicht immer vermeiden, aber als Tourist/Reisender gehört es auch zum Respekt, etwas Kultur und Alltag kennenzulernen. Dies passiert beim Fußball, auf dem Markt, aber ganz sicher nicht in der Hotel-Lobby, wo dich fünf Angestellte im Eingangsbereich anlächeln müssen. Schlussendlich war ich am Freitag froh zurück in der Hauptstadt zu sein, um dann im Nairobi City Center (alte Markthalle) die letzten verbliebenden Schilling für touristische überteuerte Souvenirs (welch Ironie) auszugeben.

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