Samstag, 24.02.2024, 15:00 Uhr Selhurst Park, 24042 Zuschauer ~ 1500 Gäste – Crystal Palace 3:0 FC Burnley
Wer mich etwas näher kennt, weiß das ich neben 2-3 Teams in Deutschland, 1-2 Teams in Norwegen, auch ein Team aus England immer unter Beobachtung habe. Gut, auch den FC Arsenal finde ich schon seit etlichen Jahren ganz sympathisch, aber ich schätze, das war damals in der Van Persie und Theo Walcott Zeit einfach dem damaligen „Erfolg“ geschuldet. Nein, wir sprechen von Crystal Palace aus dem Süden Londons. Warum genau kann ich nicht so wirklich erklären, die jahrelang einzige ,,Ultra-Gruppierung“ Englands, die Holmesdale Fanatics, spielen bei der vorhandenen Sympathie aber sicherlich eine Rolle.
Nun, jahrelang großer Sympathisant, allerdings hatte ich mich nie wirklich um Tickets bemüht. Bei einigen Vereinen bekommt man in England nur als Mitglied Tickets, spaßeshalber habe ich jedes Jahr angekündigt, doch im nächsten Quartal endlich ein ,,Member“ zu werden, es aber nie durchgezogen. Sicherlich, über gewisse Plattformen oder Gruppen wäre ich auch an eine Karte bekommen, aber so ging ich im Herbst den einfachen Weg und wurde ,,international member“. Für 35 Pfund und 44 Pfund fürs Ticket sicherlich nicht billig, aber beim ersten Mal sollte es schon die seröse Art und Weise der Ticketbeschaffung sein. Da ich für Hin/Rückflug nur insgesamt 45 Euro zahlen musste, kam mir dann doch sehr entgegen. Der Preis, zweimal am Flughafen zu übernachten und insgesamt genau 24 Stunden in London zu verbringen, nahm ich also in Kauf. Noch geht das Ganze. Also irgendwie zumindest. Am frühen Morgen also am Ryanair-Hotspot Stansted angekommen, ging es per National-Express nach rund 75 Minuten Fahrt ins Stadtzentrum. Auch wenn ich die Stadt als Jugendlicher einmal besucht hatten, war es doch wieder ein ,,neuer“ Eindruck. Die absoluten Top-Touri-Highlights (Buckingham Palace, Big-Ben usw.) wurden bei Sonnenschein schnell abgeklappert und die Eindrücke anschließend im Five-Guys an der Tower-Bridge (Im zweiten Stock hat man wirklich eine ganz nette Aussicht) verarbeitet und verdaut. Weiter ging es per Zug nach Süd-London. Die Gegend des Selhurst Parks ist in einem Wohngebiet und sieht dementsprechend völlig anders aus als Zentral-London. Viele Reihenhäuser und auch wieder viele parkende Autos, im Zentrum streiten sich eigentlich nur Fahrräder und die Doppeldecker-Busse um den wenigen Platz auf der Straße.
Der Selhurst-Park hat schon etliche Jahre hinter sich und Pläne für eine große Modernisierung sind auch schon im Umlauf. Die alten und ziemlich tiefen Tribünen versprühen in den wenigen Städten Englands aber noch etwas Fussball-Charme. Die Holmesdale Fanatics stehen mittlerweile sehr zentral und müssen sich nicht mehr in die rechte Ecke des Stadions drängen. Immerhin sei gesagt, dass deren (untere) Tribüne eigentlich durchgängig stand und dies auch alltäglich scheint. England scheint sich also wieder zu wandeln, dass nicht nur mehr die Gäste im ,,Genuss“ des Stehens kommen. Auch meine Tribüne, die Arthur Wait Stand, stand doch relativ häufig. Zumindest der linke Teil und bei dem deutlichen Endergebnis stand ich in Halbzeit 2 bestimmt auch bis zu 80 %. Eigentlich traurig das man sich über solche Dinge freut, aber ich nehme an, dass Palace sicherlich ein positives Beispiel in der Premier League ist.
Die Stimmung empfand ich, der Leistung der Eagles auf dem Platz ähnlich, recht gut. Klar, als nur der kleine Ultra-Mob sang war es recht leise, aber wenn die Tribüne zu einem großen Teil einstimmte, zum Teil auch meine Gegentribüne, ist englischer spielbezogener Gesang einfach Weltklasse. Das Potential ist und bleibt auf der Insel riesig. Wie bereits erwähnt, die Spieler sorgten auf dem Platz unter Neu-Trainer Oliver Glasner (Legende Roy Hodgson musste gesundheitsbedingt mit 76! die Woche zuvor abtreten) für ordentlich Betrieb und dominierten für ihre Verhältnisse die Gäste aus Burnley. Deren Auswärtsfans waren übrigens kaum zu hören, lediglich 2-3-mal waren sie zu vernehmen, für mich die einzige kleinere ,,Enttäuschung“ am Spieltag. Ich hatte also meinen Spaß und hatte mir endlich meinen kleinen ,,Traum“ erfüllt, die Eagles auch einmal im Selhurst-Park, zu erleben. Sicherlich nicht mein letztes Mal.
Zum Abend hin sollte in London auch noch der FC Arsenal spielen und ich spielte lange mit der Überlegung hinzugehen. Die Ticketsituation ist dort allerdings seit letzter Saison katastrophal. Selbst Mitglieder haben nur wenige Chancen auf Tagestickets. Scammers auf diversen Plattformen bieten dir zwar angeblich einen ,,face-value“ Preis an, aber ich ließ Gott sei Dank die Finger davon. Auf Stubhub gingen die Preise ab 215€ los, im Laufe der Woche vorm Spiel gingen jene jedoch täglich hoch. Am Abend waren es mir dann doch 260€ nicht wert, sodass ich in einem Pub landete und dort das Spiel sah, bevor es nachts wieder zum Airport ging.
Übrigens, erste Randnotiz, die Arsenal-Pubs im Umfeld des Emirates sind zum Teil auch nur für Mitglieder begehbar (bzw. wird überprüft, ob man ,,Fan“ ist), Schlange stehen um Eintritt zu erhalten, scheint auch ,,normal“ zu sein. Ziemlich krasse Entwicklung seit der Übernahme von Arteta als Trainer. Zweitens, verrückt wie viele Menschen im Stansted-Airport an einem Wochenende übernachten. Zumal deren Airport gar nicht so klein ist (deren ,,Shopping-Meile“ ist riesig), allerdings wird nachts nur ein sehr kleiner Bereich für ,,sleepovers“ freigegeben. Komplett übermüdet ging es also am frühen Morgen zurück nach Deutschland. Glücklich war ich trotzdem, aber auch aufgeregt, sollte vier Tage später erstmalig ein Ziel außerhalb Europas angesteuert werden.



