Das Jahr 2024 läuft noch nicht so wie geplant. Erst viel im Januar nach dem Griechenlandtrip der Länderpunkt Frankreich ins Wasser. Die Piloten von Brüssel Airlines streikten und so war ich tatsächlich zum ersten Mal aktiv von einem Streik betroffen. Das Geld für die Flüge und eine Kompensation in Höhe von 250€ sollte ich immerhin erhalten, sodass ich aus der ganzen Sache immerhin mit einem kleinen Plus rausgegangen bin. Und der Länderpunkt Frankreich läuft mir ja nicht weg, alles in allem also kein Drama. Meine Abneigung gegen Frankreich ist dennoch nicht weniger geworden. Der nächste Länderpunkt, der ins Wasser Piel, war Malta. Ryanair änderte die perfekt gelegte Verbindung so beschissen, sodass ich keine Chance bzw. keinen Sinn mehr sah, den Trip anzutreten. 1 1⁄2 Tage wären mir für dieses doch schöne kleine Land zu wenig gewesen. Aber auch hier gilt – aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Europäische Länderpunkte sind immer relativ einfach zu machen, weshalb mir so für die nahe Zukunft noch ein paar schöne, einfache Reisen bevorstehen. Fußball im Ausland wurde natürlich trotzdem geschaut. Es ging zweimal nach Tschechien (einmal mit meiner Freundin und einmal fü r einen Slavia und Sparta Prag Doppler) und einmal nach Polen. Fünf Spiele konnte ich so noch im Ausland schauen und sowohl die drei Prager Vereine konnten überzeugen, als auch Breslau und Lech Posen. Mit Lech gegen Warta Posen wurde sogar das Stadtderby in Posen besucht, das hätte doch eigentlich einen Bericht wert sein können. Letztendlich habe ich mich aber gegen die Verschriftlichung dieser Trips entschieden. Das liegt daran, dass dieses Buch von seiner Abwechslung leben soll. Mit Stettin und Łódź habe ich erst zwei sehr ausführliche Kapitel über Polen verfasst, ein weiteres über den Besuch von Posen und Breslau interessiert mich einfach selbst nicht. Beide Städte sind wirklich schön, beide Vereine verfügen über eine vernünftige Fanszene, einen Besuch kann ich euch also wärmstens empfehlen. So richtig spannend waren diese Besuche aber nicht, mir ist dabei wirklich nichts Interessantes oder Aufregendes passiert. Reisen in Nachbarländer sind immer nett, werden aber von jetzt an nicht mehr in diesem Buch auftauchen. Da muss schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass hier ein Nachbarland (mit Ausnahme Frankreich, dieser Bericht wird irgendwann noch kommen) oder ein bereits besuchtes Land noch einmal drin vorkommt. Und da sich das Buch dem Ende entgegen neigt, kann ich euch versprechen, dass hier kein einziger langweiliger Trip mehr erwähnt wird. Deshalb wird es auch keinen Bericht über meine zweite Reise nach Georgien geben.
Stopp. – Das kommt davon, wenn man mal eben auf dem HinPlug einer Reise einen
Zwischenbericht schreiben möchte und dann aus fußballerischer Sicht doch noch was Außergewöhnliches passiert. Falls euch die erstmalige Qualifikation Georgiens zu einer EM-Endrunde nicht interessiert, könnt ihr diesen Absatz getrost überspringen und zum Ende dieses Kapitels blättern. Alle anderen lade ich gerne auf die Reise zum „Wunder von Georgien“ ein.
Historie der letzen Jahre – Das Wunder von Georgien
Zunächst mochte ich euch jedoch erstmal ein paar Fakten zu diesem Land im fernen Kaukasus präsentieren, um euer Vorwissen, welches ihr von meinem ersten Bericht ja haben sollten, noch einmal etwas aufzufrischen. Georgien ist mit einer Fläche von 69.700 Quadratkilometern etwa so groß wie Bayern und hat mit seinen 3,7 Millionen Einwohner ungefähr so viele Einwohner wie die Stadt Berlin. Bayern hat im Vergleich dazu 13 Millionen Einwohner. Das kleine Land im Kaukasus hat es nicht einfach, es wird von Russland unterdrückt und seit dem Kaukasus Krieg im Jahr 2008 teilweise (über die Region Abchasien sollte sich jeder mal informieren) besetzt. Dementsprechend schwer hat es auch der Fußball in Georgien. Die erste Liga hat gerade mal einen Schnitt von rund
1000 Zuschauern, der hauptsächlich durch die Spiele von Dinamo Tiflis, dem einzigen etwas größeren Verein des Landes, zustande kommt. Bei der überwiegenden Anzahl der Spiele pendelt sich der Schnitt eher bei 250 – 500 Zuschauer pro Spiel ein. Das hier keiner der Vereine international erfolgreich ist, ist dementsprechend nicht überraschend. Der größte „Erfolg“ liegt hier ziemlich genau 20 Jahre zurück, als Dinamo Tiflis in der Saison 2004/05 die Gruppenphase des damaligen UEFA Pokals erreichen konnte. Zu den Zeiten der Sowjet Union war das noch anders, aber dieses Kapitel der georgischen Geschichte werde ich hier nicht aufmachen. Auch für die Nationalmannschaft läuft es eher bescheiden. 1928, 1934 & 1935 konnte man den trans-kaukasischen Pokal gewinnen und ist damit Rekordsieger. Diese Leistung mochte ich Georgien natürlich nicht unterschlagen. Aber ansonsten herrscht seit der Gründung des georgischen Fußballverbandes im Jahre 1990 eher Tristesse. Bis zum 26.03.2024 hat man sich noch nie für eine Endrunde einer EM, geschweige denn WM, qualifizieren können.
Auch die Qualifikation für die EM 2024 lief nicht sonderlich erfolgreich, ziemlich chancenlos wurde man hinter Spanien, Schottland und Norwegen mit nur acht Punkten aus acht Spielen vierter und verpasste damit die direkte Qualifikation deutlich. Erfolgreicher lief es stattdessen in der Nations-League. In der dritten Liga C gewann man überraschend deutlich mit 16 von 18 möglichen Punkten seine Gruppe vor „namenhaften“ Großen wie Bulgarien, Nordmazedonien und Gibraltar. Dieser Erfolg sicherte ihnen die Teilnahme an den Playoff-Spielen zur EM. Ein etwas wirrer Modus gab Georgien also die große Chance, sich in zwei Finalspielen für die Endrunde zu qualifizieren. Den Erfolg in der Nations-League kann man vereinfacht an zwei Gründen – drei, wenn man bedenkt, dass die Mannschaften in der Liga einfach auch schwacher sind – festmachen.
Zum einen gibt es mit Khvicha Kvaratskhelia seit langer Zeit mal wieder einen Superstar (ab einem Marktwert von 70. Millionen Euro kann man glaub ich davon sprechen) in den Reihen Georgiens. Zum anderen wird die Nationalmannschaft seit mehr als 3 ½ Jahren von einem nicht ganz unbekannten Namen trainiert. Willy Sagnol, den etwas Älteren von uns als erfolgreicher Spieler der Bayern bekannt, hat es geschafft, Georgien auf ein neues Level zu heben. Der Mann, der den Namensteil Willy im Vornamen und nicht im Nachnamen hat (keine Sorge, das war der einzige Willi Witz in diesem Bericht), brachte die Hoffnung nach Georgien zurück. Und nach der Auslosung der Playoffs, die Georgien mit Luxembourg und bei einem möglichen Sieg ein Finale gegen den Sieger aus der Partie Griechenland-Kasachstan zwei Heimspiele bescherte, war eine Qualifizierung zumindest nicht mehr komplett unrealistisch. Ich will ganz ehrlich mit euch sein, so wirklich beschäftigt habe ich mich mit der ganzen Sache vor meiner Reise nicht. Die Flüge wurden lange vor der Auslosung und Terminierung gebucht, sodass ich relativ zufällig das ganze beim Kicker erfreut zur Kenntnis nehmen konnte. Tickets für die Spiele sollte ich ja ohne Probleme bekommen, der Zuschauerschnitt der Nationalmannschaft liegt doch bestimmt maximal bei 10 bis 20 Tausend. Da ins Nationalstadion über 54.000 Zuschauer passen, sollte das ja relativ einfach werden, so mein erster Gedanke. Oder?
Falsch. Zu den Ligaspielen geht zwar kaum jemand, aber wenn die Nationalmannschaft spielt, dann wird es voll. Und nicht nur halbvoll, sondern richtig voll. Umber dreieinhalb Stunden hing ich in der Warteschlange (inklusive Serverzusammenbruch) für die Tickets gegen Luxembourg fest und konnte mit viel Glück durch eine niedrige Nummer (die war im 5.000 Bereich, dass ich trotzdem so lange in der Warteschlange warten musste, ist eigentlich eine Frechheit) vier Tickets kaufen. Nach wenigen Stunden war das Spiel ausverkauft und ohne die Infos von meiner Freundin hatte ich das komplett verpennt und wäre wohl nicht an Karten bekommen. So aber konnte ich mich ohne Stress und voller Vorfreude am Mittwochabend ins Flugzeug nach Kutaissi setzen. Nach einer anschließenden vierstündigen Busfahrt kam ich müde um 7 Uhr morgens in Tiflis an. Für den Transfer kann ich euch Omnibus empfehlen, der bringt einen unkompliziert und bequem für 8€ in die Hauptstadt. Nach ein paar Stunden Schlaf und einer kurzen Stärkung machte ich, mit mehr Energie als gedacht, mich mit meiner Freundin, ihren Bruder und der Freundin ihres Bruders auf dem Weg zum Stadion.
Georgien : Luxembourg 2:0 Z.: 51.404 – 21.03.2024, 21:00 – Boris-Paichadze- Dinamo-Arena – Uefa Euro Play-Off Halbfinale
Endlich war es so weit. Wer ein gutes Gedächtnis hat, kann sich daran erinnern, dass ich vor ziemlich genau einem Jahr bereits ein Dinamo Tiflis Spiel hier sehen wollte, welches dann kurzfristig aufgrund von Bauarbeiten, die am Stadion für die damals stattfindende U21 EM stattfanden, nach Gori verlegt wurde. Aus heutiger Sicht ist das damals also optimal verlaufen, so konnte ich immerhin einen neuen Ground heute kreuzen. Die Boris-Paitschadse-Dinamo Arena (welche früher nach Lenin benannt war) wurde zwischen 1969 und 1976 erbaut. Eine richtig geile alte Schüssel also, in der früher bis zu 110.000 Zuschauer passten, was es zum drittgrößten Stadion der ehemaligen Sowjetunion machte. Im Jahr 2006 wurde es den internationalen Standards angepasst und renoviert, seinen Charm hat es dadurch glücklicherweise nicht verloren. Heutzutage passen knapp 55.000 Zuschauer ins weite Rund und man kann jede Menge schöner Graffiti der Szene von Dinamo Tiflis bewundern.

Mit der Öffnung des Stadions waren wir dann auch da, welches euch bei Spielen der Nationalmannschaft nur empfehlen kann. Es war wirklich voll und so konnten wir uns dem größten Gedränge am Einlass etwas entziehen. Kulinarisch wurde hier einiges geboten, es gab Burger, die allerdings leider kalt waren, Hot Dogs & Pommes für einen schmalen Taler. Preislich war das hier auf Oberliga-Hamburg HEBC Niveau. Die Stimmung war wirklich gut und richtig ansteckend, heute sollte der erste Schritt zur Sensation getan werden. Blöderweise spielte das Wetter nicht wirklich mit. Es regnete die ganze Zeit und der untere Rang war leider nicht überdacht. Wir wurden also ziemlich nass während des Spiels, welches mich aber aufgrund seiner Spannung und Atmosphäre vom schlechten Wetter ablenken konnte. Es gab sogar eine organisierte “Szene”, die das Spiel mit einer kleinen, aber feinen Choreografie einleitete. Kvaratskhelia mit einem Fernglas, in welchem man Deutschland erkennen konnte und die drei möglichen Spielorte der georgischen Nationalmannschaft. Dazu ein kleines Flugzeug, welches einmal quer über den Block gezogen wurde. Da ich nichts in der Art erwartet hatte, war ich positiv überrascht. Ein paar 100 Luxembourger waren sogar auch da und machten sich ab und an bemerkbar. Respekt an jeden Einzelnen, der die lange Reise auf sich genommen hat. Die Stimmung der Heimfans war sowieso richtig gut, davon kann man bei der deutschen Nationalmannschaft nur träumen.
Das Spiel war besser als sich die Namen Georgien : Luxembourg anhört. Georgien dominierte und ging gegen Ende der ersten Halbzeit mit 1:0 durch keinen geringeren als den HSV-Schreck Budu Zivzivadze in Führung. Und apropos HSV. Erinnert ihr euch noch an Chakvetadze? Der spielte in der Saison 20/21 mal ein halbes Jahr bei uns und war heute einer der Aktivposten. Dass der sich so entwickelt und mittlerweile regelmäßig für Watford in der zweiten englischen Liga spielt, hätte ich damals nicht gedacht. Es sei ihm gegönnt. In der zweiten Hälfte gab es dann aus dem nichts die kalte Dusche durch das 1:1 von Luxembourg. Dachten zumindest 99% im Stadion. Nicht aber der Videoschiedsrichter, der auf der anderen Seite ein Foul an der Strafraumgrenze bemerkt hatte, welches gleichzeitig eine Notbremse war. Das Tor wurde also zurückgenommen, statt 1:1 war man plötzlich in Unterzahl. Und da die Entscheidung auch noch sehr hart war, war dies wahrscheinlich einer der bittersten Momente in der Fußballgeschichte für Luxembourg überhaupt. Von diesem Schock erholten sie sich nicht mehr, kurze Zeit später viel das 2:0 und die Party konnte starten. An vielen Stellen im Stadion wurde unvermummt Pyrotechnik gezündet und es gab noch nicht mal durchsagen dagegen. Ob das die UEFA so gerne gesehen hat? Die Stimmung war bis zum Abpfiff überragend, der erste Schritt auf dem Weg zur EM war geschafft. Zufrieden ging es nach dem Schlusspfiff wieder nach Hause, mittlerweile war es spät geworden und ich hatte einiges an Schlaf nachzuholen.
Georgien : Griechenland 4:2 n.E. – Z.: 45.000 – 26.03.2024, 21:00 – Boris-Paichadze- Dinamo-Arena – Uefa Euro Play-Off Finale
Was macht man vier Tage in Georgien, wenn kein Fußball gespielt wird? Bis zum finalen Spiel gegen Griechenland, welches sich mit 5:0 ziemlich überzeugend gegen Kasachstan durchgesetzt hatte, war nämlich wirklich kein weiteres Spiel angesetzt. Ich hatte so ganz entspannt Zeit, mir die ausgelassenen Sehenswürdigkeiten von Tiflis anzuschauen und besuchte so unter anderem den botanischen Garten und die Chroniken von Georgia, auch „das Stonehenge von Tiflis“ genannt. Außerdem bietet sich die doch kleine Größe von Georgien hervorragend für Tagesausflüge an. Die ehemalige Hauptstadt Georgiens Mzcheta sei euch dabei allen ans herzgelegt, die weiß mit ihrem fast schon mittelalterlichen Charme zu überzeugen. Und natürlich wurde auch wieder die hervorragende, georgische Küche genossen. Empfehlenswert sind dabei: das Restaurant Salobie Bia, welche hervorragende georgische Küche anbietet, Grill More für leckere Burger und das Kvarts Café, welches einem gratis Porträts auf eure Kaffee-Becher malt. Generell kann man in und um Tiflis viel entdecken, organisiert euch dafür am besten einen Mietwagen, um die Umgebung flexibel kennenlernen zu können.
Drei Tage vor dem Play-Off Finale ging dann wieder der Kampf um die Tickets los. Erneut die gleiche beschissene Website (tkt.ge), diesmal jedoch ohne Serverzusammenstürze, dafür aber mit Bezahl-Problemen. Bereits zweieinhalb Stunden vor dem offiziellen Verkaufsstart loggte ich mich sowohl mit meinem Handy, also auch mit meinem Tablet in den offiziellen Warteraum ein. Mit einem maximal unterschiedlichen Ergebnis. Auf dem Handy landete ich auf Position 138.000, das wäre ein aussichtsloses Unterfangen geworden. Auf meinem Tablet hingegen kam ich auf Position 8.000, was bedeutete, dass ich weitere zweieinhalb Stunden später vier Stück der begehrten Tickets kaufen konnte. Die Ticketpreise waren wieder sehr human, für 10 (3,5€), 20 (7€), 30 (10€) und 50 Lari (17€) bekam man ein Ticket. Ich entschied mich diesmal für die 30 Lari Kategorie, das Risiko ein weiteres Mal unüberdacht nass zu werden wollte ich nicht eingehen.
Am Abend, bevor ich zurückfliegen sollte, war es dann so weit. Das alles entscheidende Spiel stand auf dem Programm. Die Vorfreude innerhalb der Stadt war riesig, überall liefen Menschen mit Trikots herum und es gab sogar mehrere große Public Viewings in der Stadt. Das Land war im Fußballfieber würde ich sagen. Diesmal waren wir „nur“ eineinhalb Stunden vor Anpfiff am Stadion und es war bereits rappelvoll. Geschlagene 30 Minuten brauchten wir, um durch die Einlasskontrollen zu kommen. Es war ein schier endloses Gedränge, welches für Menschen mit Platzangst wahrscheinlich nur schwer auszuhalten gewesen wäre. Am Einlass spielten sich wilde Szenen ab. Menschen kletterten über Mauern, gingen zu zweit durchs Drehkreuz, alles, um das wichtigste Spiel ihres Landes verfolgen zu können. Dementsprechend voll war es im Stadion, auf den Treppengängen wurde Eng an Eng gestanden und ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein- bis zweitausend Menschen ohne Ticket heute im Stadion anwesend waren. Von solchen Szenen hört man ja sonst eigentlich nur in Afrika.
Fußballerisch war das heute ziemlich harte Kost, deswegen will ich da nicht zu viel drauf eingehen. Das Spiel lebte von seiner Spannung und wenn man dann nach Verlängerung dramatisch im Elfmeterschießen gewinnt, dann sind 120 Minuten schlechter Fußball auf einen Anhieb vergessen. Viel interessanter war sowieso das, was auf den Rängen passierte. Alle paar Minuten wurde irgendwo eine Fackel oder ein Rauchtopf gezündet, komplett unvermummt von Privatpersonen. In Deutschland wäre sowas nicht vorstellbar. Auch die kleine organisierte Fanszene konnte wieder mit einer netten Choreo überzeugen, diesmal gab es eine etwas größere Blockfahne mit einem Zeitungsartikel als Aufhänger: „Breaking News. Georgia Makes History“. Darunter zwei feiernde Georgier, die Arm in Arm durch eine offene Tür gingen, auf der Euro 2024 stand. Eingerahmt war das Ganze von weiß roten Streifen, wie man es aus Südamerika kennt. Durchaus gelungen also. Die Stimmung war noch einmal einen ticken besser als beim letzten Spiel und als der finale Elfmeter verwandelt wurde, rasteten alle aus. Es gab einen Platzsturm, die Leute lagen sich in den Armen und weinten teilweise, es war einfach schön, hier, bei diesem historischen Moment, dabei sein zu können. Ich genoss die Atmosphäre und den Anblick und bin mir ziemlich sicher, dass dieses Erlebnis erstmal kein Länderspiel toppen wird. Dass ich am Ende nur fünf Stunden Schlaf bekam und mich am nächsten Morgen völlig übermüdet, zurück auf den Weg nach Hamburg machte, war mir dann auch egal. Seit dem Tag bin ich Fan der Nationalmannschaft Georgiens, beziehungsweise Sakartvelos, wie das Land auf georgisch heißt.

So, zurück zum eigentlichen Zwischenbericht. Dieser Urlaub war eher ein Besuch meiner Freundin, der nichts in einem Buch übers Groundhopping zu suchen sollte. Das war definitiv eine Ausnahme. Der normale Groundhopper wird solche Worte wie „Freundin“ ja eh nicht kennen, darauf muss ich Rücksicht nehmen. Potenzielle Käufer des zweiten Buches (ich kündige hiermit das Erscheinungsdatum mal ganz optimistisch für das Jahr 2030 an) sollen hiermit nicht verschreck werden. Wenn es euch mal nach Georgien ziehen sollte, dann versucht, den Länderpunkt Georgien auf jeden Fall mit der Nationalmannschaft zu machen, die Liga kann einfach nichts. Über Georgien habe ich jetzt aber definitiv genug geschrieben, da könnt ihr gerne noch mal zurückblättern, um in den Bann des Kaukasus gezogen zu werden. Bis dahin, der nächste Urlaub und damit neue Länderpunkt kommt bestimmt bald…