Als absoluter Natur-Berg und Seen Liebhaber fehlt mir in Europa in dieser Kategorie (außer Frankreich, aber wer will da schon hin) nur noch ein Land, die Färöer-Inseln. Der kleine, zu Dänemark gehörige, Inselstaat mit seinen 55.000 Einwohnern befindet sich oberhalb Schottlands und unterhalb seines großen Bruders aus Island. Die 18 Inseln sind ebenfalls vulkanischen Ursprungs, zwar nicht mehr aktiv, allerdings etwa 3/4 so alt wie das Land der Isländer. Auf den 1399km2 wohnen auf den FÄröer im Übrigen deutlich mehr Menschen, auch wenn die Touristenanzahl wiederum deutlich geringer ist. Kein Wunder, gibt es lediglich von Großbritannien, Dänemark und eben Reykjavik Direktflüge zum Vagar Airport, etwa 10-15 pro Tag. Wir buchten Hin- und Rückflug etwa vier Monate im Voraus für etwa 200€, dazu kamen noch Anreise sowie Übernachtungskosten in Kopenhagen. Statt zweimal SAS, hieß die Airline im Hinflug Atlantic Airways. SAS schob den Hinflug einen Tag nach hinten, also stornierten wir diesen und buchten mit 80€ Aufpreis bei der färöischen Airline nach.

In Kopenhagen wurde sich nochmal lecker mit Marzipantorte, Eis und Hotdogs vergnügt, ehe es im Kapselhotel Nyhavn früh zu Bett ging. Die Kajuten sind klein, die Luft eher schwierig, aber 55€ für zwei Personen sind nicht nur im teuren Dänemark ein Schnapper. Gut gelaunt im sehr kleinen Terminal auf der Insel Vagar, wurde der Nissan Mietwagen abgeholt und ganze 7 Minuten Richtung Unterkunft gefahren. Ein Traum diese Aussicht von unserer kleinen Hütte aus, gut die Treppe zum Bett erforderte etwas Konzentration, aber wo hat man in Europa, solch ein Panorama? Ich war und bin es in Sehnsucht und Nostalgie, völlig begeistert.

450€ für vier Tage und drei Personen sind sogar preislich in Ordnung. Generell sind die Preise dem dänischen recht ähnlich, mit etwas Aufpreis ist natürlich zu rechnen. Auf der kleinen Insel kann alles mit der Kreditkarte bezahlt werden, dänische bzw. die einheimischen Färöer Kronen (1-1 gekoppelt), also ist das typische Geldabheben hier nicht notwendig. Nach dem Check-in über die Schlusselbox und einem Kurzeinkauf beim Bonusschwein, durfte die erste Panorama-Fahrt Richtung Toftir nicht fehlen.  Ja, irgendwann gewöhnt sich das Gehirn leider an diese Aussicht, dennoch ATEMBERAUBEND. Kleinere längere (Maut) Tunnelfahrten zum Überqueren der Inseln sind hier normal (Maut wird von der Kaution automatisch abgezogen, Kennzeichen-Erkennung), ebenso das der typische Inselbewohner hier sehr entspannt Auto fährt. Das Tempolimit 80 wird selten überschritten, die Küstenstraßen sind zwar einerseits zu schön um (zu) schnell zu fahren, andererseits locken die ständigen Auf/Abfahrten auch mal ordentlich auf das Gaspedal zu drücken oder sich immer schneller herunter ,,rollen“ zu lassen.

Donnerstag, 03.04.2025, Meisteraradeildin, 250 Zuschauer, 13€ Eintritt – B68 Toftir 0:2 KI Klaksvik

In Toftir angekommen überzeugt, schon der Nebenplatz mit seiner kleinen Tribüne und Aussicht auf das Meer. Das „große Stadion“ hat da etwas weniger Sicht, dafür drei ganze Sitztribünen und einen Stehrang. Erneut, auch dieser Ground, überragt, mit seiner Aussicht, wahrscheinlich 95% aller Stadien Europas, trotz seiner kleinen Größe.

Bei angenehmem Sonnenschein konnten wir einen aufopferungsvollen Kampf der Heimmannschaft gegen den Färöer-Riesen aus Klaksvik sehen. Das letzte Spiel Toftirs ging 0:11 verloren, da wurde heute der Bus hinten geparkt. Die Gäste technisch auf einem völlig anderen Level, supportet von etwa 30 Gästen und drei Trommeln wurden der Favoritenrolle schnell gerecht. Auch auf der Heimseite gab es 4-5 Jugendliche die sichtlich Spaß daran hatten, 2-3 Gesänge abzuspulen. In der Halbzeit gab es auf der Haupttribüne eine gute Suppe mit kleinen Knödeln für schlanke drei Euro, so billig wird man sonst nicht auf Faroe essen können. Gestärkt wurde die zweite Halbzeit weiter verfolgt, die ersten 50 Panorama Fotos geschossen und sich etwas vom noch nicht sehr starken Wind durchgepustet. Was ein sehr netter Einstieg des Kurztrips, der durch selbst mitgebrachte Nudeln am Abend abgerundet wurde. Wenn man sich schon den Luxus von Aufgabegepäck leistet, oder der wie bei Atlantic Airways, inkludiert ist, wäre es fast schon fahrlässig keine billigen Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Peso, Reis und Nüsse nicht mitzunehmen. Sofern man sich in ein Apartment einbucht und nicht in eines der wenigen preisüberzogenen Hotels.

Nach besten neun Stunden Schlaf sollte ,,unsere“ Insel Sorvagur am ersten vollen Tag etwas erkundet werden. Der Skarðsáfossur gilt als der beste Foto-Spot des gesamten Landes, nicht der Wasserfall allein, sondern das beeindruckende Landschaftsbild im Hintergrund, bilden bei gutem Wetter (bzw. keinen Nebel) ein phänomenales Motiv. Kurz vorher, der Weg zum Foss führt u.a. durch einen einspurigen Tunnel mit Haltebuchten (kein Problem, jeder fährt hier entspannt), ist der Bøur-Parkplatz, mit Aussicht auf Meer, Klippen und einem ganz kleinen süßen Dorf, ebenso Postkarten-Motiv reif, aber sind wir Mal ehrlich, auf den Färöern kannst du an jeder Küstenkurve anhalten und Bilder für Instagram sammeln. Nicht weniger, sondern noch einmal spektakulärer ist die Wanderung Miðvágurt to Bøsdalafossur bzw. zum Sørvágsvatn/Leitisvatn, welche allerdings von zwei Punkten betrübt wird. Die einstündige Wanderung selbst ist nicht sonderlich schön (wie gesagt, hohes Niveau des Meckerns), auch nicht schwierig, es ist eher ein Spaziergang. Dazu kommt, dass dieser Weg gebührenpflichtig ist und fast 30€ (200dkk) kostet. Viele Wege auf der Insel führen über privates Land und die Eigentümer lassen sich ihre Nase goldig verdienen oder sperren die Wege ab. Während zweiteres noch verständlich ist, weil Touris sich selten an Regeln halten und die Gebiete auch den vielen Nutztiere gehört, ist Ersteres frech. Der Weg ist minimal in Stand gesetzt worden, der Parkplatz inkludiert, aber eigentlich müsste ich euch bei solch einem Preis von der Wanderung abraten.

Nun eigentlich, die riesigen Felsabhänge und Klippen zum offenen Meer und die Aussicht auf das Binnenmeer im Inneren, sind spektakulär. Wandert unbedingt zum zweiten Viewpoint nach der Sitzbank, von dort seht ihr, wie sich ein Foto oder auch das menschliche Auge fast täuschen lässt. Meer und Klippe im Vordergrund und praktisch ,,drauf“ der See. Einzigartig!

Freitag, 04.04.2025, UEFA Nations-League Women, Tórsvøllur, 400 Zuschauer, 0€ Eintritt – Färöer-Inseln 3:0 Moldawien

Nach dem also der touristische Teil des Freitages vorbei und erst der frühe Nachmittag angebrochen war, war noch ausreichend Zeit, um den größten Ground des Landes zu kreuzen. Eigentlich sind Frauenspiele eher nicht in meinen Spielplänen zu finden, aber das größte Stadion (6040! Z) lockt dann schon, zudem hatten wir ja auch eine weibliche Begleitung dabei. Der Zuschaueranspruch auf der Insel ist bei der geringen Einwohneranzahl sicherlich gering, erst recht bei Spielen der Frauen, also machten wir uns keine Gedanken um Tickets. Am Eingang wurde der Security gefragt, wo man denn Tickets kaufen könne. Natürlich nur online, aber nach kurzem Plausch über unsere Herkunft und seiner Rückmeldung bei seinem Chef/Supervisor) erhielten wir freien Eintritt. Sehr nett! Das Ganze sollte in der Halbzeit noch besser werden, als auf der Haupttribüne Trank und Kuchen ausgeteilt wurde, natürlich wieder „for free“. Welch eine angenehme Überraschung in einem doch so teuren Land. Auf dem Plätz dominierte die Heimmannschaft Moldawien nach Belieben und gewann verdient mit 3:0. Lustige Anekdote war, dass die Moldawier mit uns im selben Flieger am Donnerstag anreisten. Ich habe es ja beschrieben, viel Flugverkehr gibt es hier auch nicht.

Am zweiten Tag sollten dann die touristischen Highlights auf den Inseln Streymoy und Eysturoy folgen, gut geplant, kann das sehr gut nacheinander ,,abgefahren“ werden. Am Fossá Wasserfall haben wir zumindest das Erste Mal Touri-Busse gesehen, die das wirklich in einer unfassbar schnellen Geschwindigkeit angesehen haben, dass deren restliche Tour wahrscheinlich immer so aussieht – Einsteigen – Aussteigen – Foto/Selfie – Einsteigen. Unsere Zeit ist endlich, also soll jeder selbst wissen was er bucht. Den Fossa kann man nach 5min Wandern etwas näher begutachten, auf einen weiteren Anstieg sollte man aus Respekt verzichten, auch der vielen Schafe zuliebe. Thema Schafe, mit rund 80.000 Schafen gibt es knapp 50% mehr Tiere als Menschen auf der Insel, sie stehen also wirklich fast auf jedem Berghang oder laufen dir gut gelaunt über die Straße.

Die kleine weiß gestrichene Kirche wäre nichts Besonderes, wenn auch sie nicht erneut von einem unfassbaren Panorama und einem kleinen See eingebettet wäre. Der Weg führt über eine schmale einspurige Straße, die Haltebuchten sind jedoch in regelmäßigen Abständen vorhanden. Da ein Reisebegleiter von einem aufmerksamen Einheimischen dabei erwischt wurde, Graffiti (Aufkleber) zu verkleben und jener trotz Entfernung des Angeklagten, drohte, diesen hemmungslosen Vorfall der örtlichen Polizeiwache mitzuteilen und diese herbeizurufen, ging unsere kleine Tagesreise schnell weiter.

Der nächste Tagespunkt, der „Risin og Kellingin viewpoint“, ist nicht der Rede oder des Anhaltens wert, dessen Bergstraße führt aber zu weiteren must-sees. Der Weg ist das Ziel, auch hier, enge Bergstraßen mit Haarnadelkurven und immer grandiosen Ausblick, was gibt es Besseres? Das Ziel der Strecke war Gonguturur /Hvithamar, wieder eine kleine einstündige Wanderung auf eine Bergspitze. Bis auf die letzten Meter ist das hier ebenso bestenfalls ein Spaziergang, aber die Aussicht hat es auch hier in sich. Zudem kann von oben bei nebelfreiem Wetter der höchste Berg Färöers, der Slættaratindur erblickt werden.

Weitere fünf Minuten vom Parkplatz entfernt, wirklich alles ist hier schnell zu erreichen mit einem Mietwagen, liegt das süße Örtchen Gjógv. Örtchen ist schon positiv ausgedruckt, aber immerhin gibt es hier neben der erneuten netten Aussicht, ein kleines Restaurant (Bestandteil eines Hotels), ein Cafe, Toiletten! und einen kleinen Wanderweg nach oben. Dieser ist ausgebaut und kostet Geld und wurde von uns ausgelassen. Auch wenn es hier wirklich touristisch wird, ist es empfehlenswert kurz vorbeizuschauen. Nach dieser kleinen Tagestour waren wir erstaunlich früh zurück im Cottage (by the Sea, sehr empfehlenswert und auch preislich im Rahmen) und gönnten uns im „Restaurant Cafe Pollastova“ noch ein Lachs-Sandwich. Sehr frisch und lecker. Empfehlenswert, wenn ihr nahe dem Flughafen seid. 

Am Sonntag stand noch eine Bootstour ab Vestmanna an. Diese fährt die obere Küste der Insel Streymoy ab. Bei bestem Wetter können von der Meerseite die Steilküsten und sich darauf befindlichen kletternden Schafe bestaunt werden. 1-2 kleinere ,,Höhlen“ werden auch angefahren bzw. einmal sogar durchgefahren. Das ist eine Sache von Sekunden, dennoch mal ganz nett. Insgesamt lassen sich vom Boot aus noch das ein oder andere vorzeigbare Foto schießen lassen. Abschließend wurde beim Inder, erneut Lachs, gegessen. Nun solide, auch wenn die Menge der Soße fast das Ganze ungenießbar gemacht hat, aber kulinarische Highlights sollten in der Regel bei solchen Lokalitäten auch nicht zu erwarten sein.

Der Tourismus hier ist großenteils auf Wanderungen und Bootsfahrten aufgebaut und Im Gegensatz zu Island gibt es hier nicht viele ,,klassische“ größere (und überfüllte) Touri-Attraktionen wie heiße Bäder und generell die Mondlandschaften in Verbindung mit den Thermal-Gebieten. Dennoch, wenn man sich darauf einlässt; sich Zeit nimmt für die fantastische Landschaft, ist es nicht weniger gut. Wir sprechen bei Island und den Färöer-Inseln aber auch von zwei der objektiv schönsten Ländern Europas, auch weltweit muss die Natur nicht vor anderen zurückschrecken. Ich war Hin- und Weg und habe mir tatsächlich gesagt, dass ich eines Tages kurz zurückkommen möchte.

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