Nach einem circa 4-stündigen Flug inklusive kurzem Umsteigestopp in Bogota wurde Quito, die Hauptstadt Ecuadors erreicht. Die Stadt ist mit 2850 Metern die höchstgelegenste Hauptstadt der Welt und das merkt man. Die ersten zwei Tage hatte ich ein bisschen Kopfschmerzen, jedoch ak-klimatisierte ich mich relativ schnell. Die Stadt wusste von Beginn an zu gefallen, schöne Altstadt und im Hintergrund die Vulkane, einfach top. Ganze 10 Vulkane befinde sich in der Gegend, wenn irgendwann mal einer davon ausbrechen sollte wird die Stadt untergehen, da dann alle Vulkane ausbrechen werden. Tatsächlich also nicht der beste Ort für eine Stadt, aber das ist den Ecuadoria-nern egal. Im Optimalfall dauert es ja auch noch einige 100 Jahre bis dieser Worst Case eintreten wird. Das Abenteuer Ecuador begann dann mit dem Erstliga Spiel von Cumbaya FC.
Spiel 4: Cumbayá FC – Delfín SC 2:1 – 27.08.2022 15:00 – Z: ca. 130 – Estadio Olimpico Atahualpa – Serie A – Ecuador
. Nach einer Stadtführung ging es mit dem Bus (kostet hier nur 30 Cent pro Fahrt) zum Stadion. Das Stadion ist sehr geil, ein altes Olympiastadion mit ca. 35.000 Plätzen, welches schon bessere Zeiten gesehen hatte. Tickets konnte man vor dem Haupteingang für 5$ kaufen. Endlich mal ein Land, welches noch echte Tickets und nicht nur digitale verkauft. Beim Einlass durfte ich dann bei einer alten Frau meinen Gürtel abgeben, den ich nach Abpfiff für 1$ wiederbekam. Bei der Kartenkontrolle wollte der Kontrolleur meine Karte wegwerfen (hat er sonst mit allen gemacht) und sah mich dem-entsprechend entgeistert an, als ich ihm die Karte aus der Hand nahm. Behalten durfte ich sie dann aber. Mir war schon vor dem Spiel klar, das heute nicht viele Zuschauer zu erwarten waren. In Ecuador ziehen nur die beiden großen Vereine Barcelona und LDU Quito wirklich Zuschauer an, es gibt zwar auch noch ein paar kleinere Vereine mit einer treuen Fanbase,
Cumbaya FC gehörte aber nicht dazu. So kamen heute ungefähr 130 Zuschauer ins große Rund. Das Ganze wäre eine ziemlich triste Angelegenheit geworden, wenn es nicht einen 10-köpfigen Gästemob gegeben hätte, der die 400 km lange Anreise (mit dem Bus über 13 Stunden, kein Plan, ob die Geld für einen Flug haben) auf sich genommen hat. Der Mob kam mit 2 Trompeten und zwei Trommeln und supportete das komplette Spiel durch. Ein weiteres Highlight war der Eisverkäufer, der verzweifelt versuchte, sein abgepacktes Eis an den Mann zu bringen. Aber niemand wollte es haben. Traurig ging er seine Runden und rief verzweifelt: Helado, Helado, aber wirklich niemand wollte sein Eis. Enttäuscht verabschiedete er sich zu Halbzeit und ging nach Hause. Aus Mitleid hätte ich eventuell am Ende eins gekauft, aber da war er schon weg, tja… zum Spiel muss man nicht viel sagen, richtig schlechtes Niveau, maximal Oberliga Hamburg. Das Spiel ging 2:1 für Cumbaya aus, die kurz vor Schluss den viel umjubelten Siegtreffer erzielten. Nach dem Spiel habe ich mir dann noch den billigsten und schlechtesten Fanschal jemals gekauft. Einfach weiß mit dem Logo von Cumbaya drauf, richtig schlechte Qualität. Für 1$ statt 2$ wurde der sich natürlich geholt, mit der Intention das Logo einfach abzuschneiden und den Rest wegzuwerfen. Insgesamt also kein richtiges High-light, aber ein nettes Erlebnis zum Start in Ecuador.

Spiel 5: Independiente de Valle – Universidad Católica 1:2 – 28.08.2022, 16:30 – Z: 1663 – Estadio Banco de Guayaquil Serie A – Ecuador
Am nächsten Tag sollte es schon weiter gehen. Nach dem sich vormittags noch etwas die Altstadt angeschaut wurde, lud zum Nachmittag der amtierende Meister Ecuadors ein. Denn nicht UD Quito oder Barcelona, nein der eher unscheinbare Club Independiente de Valle ist amtierender Meister und Halbfinalist der Copa Sudamericana (die sie im späteren Verlauf des Jahres sogar gewinnen sollten). Beim Blick auf die Karte, wo sich denn der heutige Ground befindet, wurde mir klar: der Ground befindet sich am Arsch! 20 km außerhalb, wirklich die vorderste Vorstadt von Quito, in so eine Gegend hätten mich sonst keine 10 Ubers hingebracht, als „Gringo“ ist man da relativ deplatziert. Da aber nun mal der Meister Ecuadors ruft, wurde sich preiswert ein Uber geordert und zum Ground gedüst.
Nach knapp 35-minütiger Fahrt wurde der Ground 45 Minuten vor Anpfiff erreicht. Ein ziemlich neues Stadion, im welchen erst seit September 2021 gespielt wird. Ich kann somit stolz behaupten, vermutlich als erster Deutscher diesen Ground betreten zu haben, nur ein Franzose scheint – wenn man die Futbology App als Informant nimmt – vor mir da gewesen zu sein. Der Ground an sich war halt ein typischer Neubau, der auch in Tschechien hätte stehen können. Die Flutlichter haben mich an Regensburg (oder war es doch Ingolstadt?) erinnert. Wenn ich daran denke, dass in 30 bis 40 Jahren nur noch so hässliche Teile in Südamerika rumstehen würden, wäre die Faszination schon deutlich geringer. Das Publikum war sehr familiärer, ne kleine Szene, die die ganze Zeit Stimmung machte, gab es trotzdem. Eine klare Steigerung zum gestrigen Spiel. Das Spiel war qualitativ her auch eines der besten Spiele der Reise. Schöne Szenen aber viele Spielunterbrechungen durch den VAR. Elfer, Rote Karten, es war alles dabei. Catolica, die sich eher im unteren Bereich der Tabelle befanden, holt sich den unerwarteten Auswärtssieg mit 1:2, was viele inkognito angereiste Fans zum Jubeln brachte. Warum es hier keinen offiziellen Gästeblock gab bzw. warum es anscheinend ein Gäste-verbot gab, ist für mich immer noch unverständlich. Bei der Rückreise kam ich noch mal kurz ins Schwitzen, weil kein Uber Fahrer gefunden wurde und es so langsam dämmerte. Doch zum Glück fand sich nach circa 20 Minuten ein Fahrer, der mich zurück zum Hostel brachte, so dass ich pünktlich zum Abendessen zufrieden zurück war.

Spiel 6 Independiente de Valle – FBC Melgar 3:0 – 31.08.2022 19:30 – Z: ca. 25.000 La Casa Blanca – Copa Sudamericana Halbfinale
Die folgenden beiden fußballfreien Tage wurden genutzt, um sich den Quilotoa Vulkan und den Mitad del Mundo (die Mitte der Welt) anzuschauen. Beides kann man sich ruhig geben, wobei man für den Quilotoa Vulkan schon etwas Ausdauer braucht. Am Mittwoch stand dann endlich wieder ein Fußballspiel an. Durch die zeitlich sehr gute Terminierung war es mir möglich, das erste Halbfinale der Copa Sudamericana zu schauen. Der Verein war erneut unsere Freunde von de Valle und ich war nach dem vorherigen Spiel skeptisch, ob das heutige Spiel, vor allem fantechnisch, besser werden würde. Zumindest stadiontechnisch konnte ein neuer Ground gekreuzt werden, da das Spiel auf Grund der größeren Kapazität im Stadion von UD Quito – LA Casa Blanca – ausgetragen wurde. Nachdem ich mich auf deren Internetseite für eine Presseakkreditierung beworben hatte und die überraschenderweise genehmigt wurde, musste ich mir über das Ticket diesmal keine Gedanken machen. Tickets hätten jedoch ohne Probleme auch vor dem Stadion gekauft werden können, aber wofür hat man denn seinen Presseausweis? Die 15€ konnte ich mir so auf jeden Fall sparen. Ein paar Stunden vor dem Spiel ging es kostengünstig mit dem Uber zum Stadion, um sich die Akkreditierung abzuholen. Klappte alles reibungslos und so ging zufrieden zurück zum Hostel. Die Uberfahrt zum Spiel gestaltete sich aufgrund der schrecklichen Verkehrslage sehr langwierig. Über eine Stunde (statt ca. 40min) zog sich die Fahrt hin, mit einem Caramelito von der Fahrerin (einer liebenswerten älteren Dame) als Stärkung, kam ich 25 Minuten vor Anpfiff am Stadion an.
Ab zum separaten Presseeingang, Akkreditierung vorgezeigt und zack war ich drin. Keinerlei Stress, ging alles reibungslos. Die Plätze waren leider etwas unbequem, aber die Sicht war überragend. Überragend war auch das Stadion. La Casa Blanca macht ihren Namen allen Ehren mit einer schicken weißen Fassade und einer hübschen Tribüne. Das Stadion war im Gegensatz zum Ligaspiel am Sonntag gut besucht, bestimmt 25.000 Zuschauer waren da, damit war das Stadion zumindest fast halbvoll. Die Hälfte davon würde ich jedoch save als Eventfans einschätzen, wo wart ihr am Sonntag? Zu Gast war heute FBC Melgar aus Peru, der für einen Mittwochabend einen ziemlich beachtlichen, knapp 800 Mann starken Gästemob mitbrachte. Interessanterweise wurden beide Szenen auf die selbe Tribüne gepackt, de Valle unten, Melgar oben. Das Spiel begann mit einem kleinen Pyrointro von de Valle, welches aber nicht wirklich erwähnenswert war. Das Spiel war dann wirklich sehr gut und von spielerischen noch mal deutlich besser als am Sonntag. Chancen auf beiden Seiten, relativ hohes Tempo. De Valle mit einer verdienten 1:0 Pausenführung. Diese drohte nach der Pause allerdings zu kippen, jedoch vergab Melgar einige 100% Chancen. Dies wurde natürlich bestraft, nach einer guten Stunde gab es einen Doppelschlag von de Valle, welcher das Stadion ausrasten ließ. Der Kommentator hinter mir bekam sich mit seinen: goooool, gol gol gol gol, schreien gar nicht mehr ein. Witzig sowas mal hautnah mitzuerleben. Das Spiel war damit entschieden, de Valle hätte sogar noch erhöhen können, ließ jedoch diverse Chancen aus. So blieb es beim 3:0, eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel.
Nach dem Spiel verzichtete ich auf die PK und bestellte mir ein Uber, welches zum Glück direkt kam. Ein nettes Ehepaar fuhr mich so zurück zum Hostel, wo ich gegen viertel nach zehn zufrieden ankam. Die Presseakkreditierung war ein cooles Erlebnis, mal sehen, wie häufig darauf auf der Reise zurückgegriffen wird. Ecuador endete also mit einem sehr guten Spiel. Auch wenn ich die großen Vereine hier nicht sehen konnte, war das ein sehr cooler Einblick in den ecuadorianischen Fußball. Am letzten Tag wurde noch eine Tour zum Cotopaxi Vulkan gemacht und Meerschweinchen probiert. Die Tour ist definitiv empfehlenswert, das Meerschweinchen nicht! An Ecuador kann so ein Haken gemacht werden, weiter geht’s nach – Peru.



