Die Überschrift verrät leider das Land, aber wer wäre auf Tokyo gekommen?
Nachdem der Kulturschock von China, etwa ein 3/4 Jahr her, lange überwunden war und das riesige Land überzeugen konnte, sollte nun das nächste Langstreckenziel anstehen. Die Flüge wurden, man kennts, billig für unter 750€, geschossen, dafür aber auch einige Nachteile in Kauf genommen. Im Juni startet die Regenzeit und diese ist selbstverständlich deutlich anders, als unser Regen im westlichen Europa. Zudem ist die Luftfeuchtigkeit hoch, die Temperaturen ebenfalls, diese erreichen gegen August und September mit an die 40 Grad ihre Höchstwerte, da nehme ich in der Nebensaison doch eher ,,etwas“ Regen in Kauf. Der russisch-ukrainische Krieg sorgt noch immer für Flugverbotszonen, sodass unsere Flugzeit ab Helsinki ganze stolze 13 Stunden und 20 Minuten betragen sollte. Das ist schon eine Hausnummer. Dazu gerechnet dürfen dann noch die zwei Stunden des Zubringers aus Deutschland, hier gab es Blaubeerensaft gratis, sehr nett und weitere zwei Stunden Aufenthalt in Helsinki. Summasumarum um die 17 Stunden. Also fliegt wenigstens über Nacht, das bieten die meisten Airlines zwar auch nur so an, aber versucht nicht auf Teufel Komm raus noch ein paar Yen zu sparen.
Tokyo hat zwei Airports, wir landeten am Narita Airport und man sieht direkt, wie gut alles organisiert ist. Überall stehen, wie im gesamten Land, Einweiser, die einen den Weg weisen oder einfach nur rumstehen. Für die einstündige Fahrt in die Stadt gibt es mehrere Möglichkeiten, unsere war eine direkte Zugverbindung. Hierfür notwendig ist die Suica, eine physische Karte die mit Geld aufgeladen wird (am Airport mit Kreditkarte möglich, ansonsten fast überall nur mit Bargeld) und von den meisten Transport-Unternehmen akzeptiert wird (auch in 7-Eleven Shops z. B. der Highspeed Zug Shinkansen ist hierbei ausgenommen, generell alle reservierungs- und sitzpflichtige Busse und Züge). Apple-User können diese Karte übrigens digital im Wallet herunterladen und ihr Handy an die Scanner halten. Vor der Buchung war ich anfangs schlicht überfordert u.a. in welchem Stadtteil Tokyos man sich sein Hotel buchen sollte. Airbnbs gibt es übrigens auch, sollen bei längeren Übernachtungen auch die günstigere Wahl sein. Shibuya ist der belebteste und meist empfohlene Stadtteil, aber auch dementsprechend teurer. Für uns ging es nach Asakusa, ein etwas ruhigeres Gebiet (haha) im nordöstlichen Teil Tokyos.
Nach 13 Stunden Flug und 6 Stunden Zeitverschiebung wären wir am liebsten um 16 Uhr schlafen gegangen, diesen Fehler sollte natürlich jeder vermeiden. Stattdessen stand direkt der erste Touripunkt an und führte uns direkt zu einem der meistbesuchten Spots der Stadt, der Asakusa-Schrein. Ja das sieht beeindruckend aus, muss man auch machen, aber diese Touri-Massen (auch insbesondere westlicher Touris) in der unbeliebten Nebensaison, haben mich umgehauen und schockiert. Um den Schrein herum befinden sich gleich etliche Souvenirs und kleine Restaurants, sodass es nach dem Schock das erste japanische Rahmen gab. War ganz gut, eine vollwertige Mahlzeit für 6€ ist ein angenehmer Preis.
Nach diesem ersten Einblick sollte noch nicht genug sein und ein Überblick/Ausblick über die gesamte Metropole auf dem Skytree genossen werden. Der Skytree ist neben dem Tokyo-Tower einer der beiden Aussichtsplattformen, es gibt noch zahlreiche andere, billigere, aber der Skytree war nun mal direkt neben unserem Hotel. In der Hauptsaison müssen die Tickets Tage vorher reserviert werden, im Juni geht es (meistens) vor Ort. Es gibt zwei Ebenen, eine auf 350 und eine auf über 400 Metern, aber der Aufpreis von weiteren 12 Euros, war es mir nicht wert. Sicht bleibt Sicht und die ist auf die größte Metropole der Welt natürlich phänomenal. Erst recht, wenn man das Glück eines Sonnenunterganges hat, dann sind die Tickets jedoch noch beliebter.
Am nächsten Morgen gab es in der Früh den ersten Besuch und das erste Frühstück im Convenience-Store. Unser Family-Markt war direkt im Hotel, aber auch sonst, habt ihr in Tokyo innerhalb von 250 Metern immer einen Lawson, 7-Eleven oder eben genannten erreichbar. Jetzt hieß es zur Rush Hour die vollen Metros zu betreten und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Die Metros sind alle auf Englisch ausgeschildert und Google Maps sagt euch genau, wann ihr was machen müsst, kinderleichte Bedienung in Verbindung mit der Suica Karte. Der Fish-Market ist ein reiner Touristenmagnet, Einheimische treten hier maximal als Verkäufer auf. Immerhin gibt es hier Wagyu-Fleisch (18€ für ein ganz kleines Stück) zu probieren, aber länger als 30min wollte ich mich hier nicht aufhalten.
Weiter ging es zum Meji-Schrein, wieder überfüllt, dafür mit einer etwas größeren Parkanlage, wo sich die Massen etwas verlaufen und am Schrein selbst wieder aufeinandertreffen. Nett, auch als Abkühlung zur sonst doch warmen grauen Hochhäuser Stadt. Ein paar Schritte weiter ist der Togo-Schrein, ein kleines Häuschen, hier ist kaum einer, dafür war in der Harajaku, einer der vielen engen Einkaufsstraßen, nebenan umso mehr los. Der Kaiserpalast und seine Gärten besitzt einen klangvollen Namen, ist aber maßlos überschätzt, man darf nicht hinein, sieht von außen ein kleineres Gebäude hinter einer verzierten Brücke und die Gartenanlage besteht größtenteils aus Schotter und flachen Gras. Vielleicht ist das in der Blütensaison anders, aber zum Entspannen empfehle ich den nebenan liegenden Hibiya-Park. Abends gab es in der einfachen und preiswerten Restaurant-Kette Yayoiken Essen, die gibts überall und per Maschine auf Englisch ist es leicht zu bestellen. Falls das Wetter schlecht oder einfach zu warm ist, könnt ihr wie wir in ein TeamLab Planets Museum gehen. Ein Kunstmuseum klingt zwar für die meisten schrecklich, hier werden aber digitale Möglichkeiten genutzt und viele Lichter eingessetzt, sodass doch ganz coole Muster entstehen. Der Preis (20€) ist zwar nicht billig, aber die Museen (gibt unterschiedliche) sind auch unter Einheimischen beliebt und oft am selben Tag ausverkauft.
14.06.2025 – Ajinomoto-Stadium – FC Tokyo 2:2 Cerezo Osaka – 24.572 (~750 aus Osaka)
Endlich war er da, der wichtigste Tag der Reise, der Länderpunkt. Da das Spiel allerdings erst abends stattfand, wurde vorher im nun regnerischen Tokyo etwas herumgeirrt. Ich empfehle jedem, einfach in die Außenbezirke zu fahren, sodass etwas mehr Einblick in das „Wahre“ japanische Leben Tokyos eingetaucht werden kann. Wir haben hierfür die Tokyo Sakura (auch Toden Arakawa Line) benutzt und eine der beiden verbliebenen Tramstrecken abgefahren. Tickets sind mit der Suica zu bezahlen, wer wie wir öfter aussteigen möchte, sagt dem Fahrer an, dass man eine Tageskarte haben möchte. Die Strecke ist nicht überragend besonders (hier mal ein Artikel, Achtung externer Link!), aber hier gibt es wenig Blink-Blink und noch weniger westliche Touris. Die gibt es auch nicht am Kishimojin Temple (fast gleichnamige Station), endlich mal etwas Ruhe, sodass dieser buddhistische Tempel einen authentisch und besinnlich in Erinnerung bleibt, eine Empfehlung wert. Gutes Sushi gibt es wahrscheinlich überall, aber den Stand an der Oji-ekimae Station Savory (Sushi Yanoyasuke) kann ich ebenfalls wärmstens weiterempfehlen.
Nun aber zum Fußball, das Ajinomoto Stadion liegt nicht in Tokyo, sondern etwas außerhalb. Um dorthin zu gelangen, muss an der chaotisch wirkenden (ist es nicht) Shinjuku Station umsteigen. Netterweise setzte nun zum ersten Mal der Starkregen ein, sodass der Stechschritt ab Bahnstation zum Stadion nochmal erhöht wurde, der Länderpunkt ruft ja. Tickets gibt es online auf einer extra für die dummen Touris angelegten Englischen Seite, das ist also kein Problem, der Einlass und die Kontrollen sind ähnlich leicht. Die Kapazität des Runds mit 50.000 erscheint bei einer Millionen-Stadt nicht viel, das Stadion wird sich mit Tokyo Verde auch noch geteilt, aber wie gesagt, wer hat schon Lust auf diese Fahrerei. Osaka machte vor dem Start überraschend guten Lärm, konnte die Lautstärke gegen den FC Tokyo aber nicht halten. Tokyo im Abstiegskampf kämpfte recht leidenschaftlich und hatte die besseren Chancen, Osaka wirkte spielerisch auf besserem Niveau, hatten auch mehr Brasilianer (in jedem Team spielen etliche), sodass es zur Halbzeit 1:1 stand.
Die Stimmung der Heimkurve war gut, aber wie erwartet ist vieles der Gesänge aus Europa übernommen. Die Mitmachquote ist gut, auch bei Hüpfeinlagen, jene fällt auch nicht bei Gegentoren, was dann doch etwas an der Authentizität zweifelt. Nun gut, in HZ 2 ging Osaka wieder in Führung, sodass Tokyo fortan anrennen musste. Glücklicherweise fiel das 2:2, in der Nachspielzeit herrschte dann nochmal auf allen Sitzen richtig Aufregung, als zwei Topchancen von Osaka noch gerade so vereitelt werden konnten. Aufgrund der doch großen Entfernung hatte um 23 Uhr (kaum zu glauben, auch die Metro fährt nur bis um 0 Uhr!) bei unserem Hotel nichts mehr an Restaurants offen, also wurde einmal wieder der örtliche Convenience Store gestürmt und sich Mikrowellen Essen reingezogen. Völlig normales Prozedere hier.
Kamikochi – Die japanischen Alpen

Nach zweieinhalb Tagen geordnetem Chaos stand etwas Urlaub (im Urlaub) an. Mithilfe von CHATGPT hatte ich mich für Kamikochi, die japanischen ,,Alpen“ entschieden. Absurd teuer und von Tokyo gar nicht so leicht zu erreichen, aber etwas Berglandschaft nehme ich überall gerne mit. In den Alpen ,,Vorort“ Matsumoto fahren regelmäßig Züge, etwas billiger ist der Bus. Bei diesem teuren Urlaub entschieden wir uns für den minimal langsameren Bus. Der zentrale Busbahnhof befindet sich praktisch ,,neben“ dem Shinjuku Bahnhof. Dort den richtigen Ausgang zu finden, trotz englischer Beschilderung, gar nicht so leicht, aber auch kein Wunder, ist dies der meist frequentierte Bahnhof der Welt, mit täglich bis zu vier Millionen Fahrgästen und Besuchern.
Von Matsumoto in Richtung Berge wird es mit der Transportwahl schwieriger. Es fahren durchaus Busse (Google Maps hilft), besser ist es, wenn euch eure Unterkunft abholt. So bei uns geschehen und innerhalb einer Stunde waren wir im Mini Van (der gefühlte 40 Jahre alt war) an der Unterkunft. Der Bus hatte mit den steilen Passagen ziemlich zu kämpfen, ähnlich wie der (bzw. alle unsere Fahrer) mindestens 70+ alte Mann, der die schweren Koffer unserer Mitfahrer ins Auto ein- und auspacken musste. In Japan scheint die Mehrheit der älteren Menschen keine Möglichkeit einer frühen Rente zu haben. Andererseits, sollen z.B. einige Ladenbesitzer (Restaurants/Shops) in den Städten absichtlich bis ,,zum Schluss“ arbeiten, weil sie im selben Haus wohnen, alles abbezahlt ist und sie ihre Zeit lieber so verbringen, anstatt nichts zu tun.
Nun, die Unterkunft lag traumhaft, auch unser Zimmer hatte diese bombastische Sicht. Hier durften wir die nächsten drei Tage entspannen, im Onsen baden (Mini-Pools) oder das authentische Essen im Rahmen der Halbpension genießen. Genießen ist relativ, da das traditionelle Wa-choushoku zwar sehr authentisch ist, für den westlichen Gaumen aber auch maximal gewöhnungsbedürftig. Ich mochte es größtenteils, manche Dinge (Fleisch) waren fantastisch, andere Lebensmittel hatten dann eher die Konsistenz eines Schwamms und haben irgendwie auch so geschmeckt.
Überragend war auch die Freundlichkeit, alles im Rahmen der begrenzten Englischkenntnisse, aber so fühlt sich wohlmöglich ein europäisches 5-Sterne Erlebnis an. Dies hier waren nur drei Tage, aber für 200+€ pro Tag, hatte ich auch gewisse Erwartungen. Vom Ryokan (Unterkunft) wurden wir morgens ins Tal Kamikochi gefahren (auf 1.500 m Höhe) und konnten Spaziergänge in der traumhaften Umgebung machen. Dabei können nicht selten freilebende Affen gesehen werden, verdammt cool! Bei Wolken und Regen hatte es etwas Mysteriöses/Mystisches und bei Sonne und klarern Himmel konnten natürlich hervorragende Fotos geschossen werden. Richtig wandern ist hier auch möglich, aber alles nach japanischer Achtsamkeit nur auf den offiziellen Pfaden. Der Abschied war also traurig, jedoch auch etwas froh zugleich, in einem traditionellen Futon Zimmer zu schlafen, also ,,nur“ mit einer einfachen Matratze, tat meinen Nacken jetzt nicht ganz so gut. Da half auch das mehrmalige Nutzen des heißen Quellwassers aus dem Onsen nicht mehr weiter.
Ebenso, weiter ging es zweistündig, in eine kleinere Stadt namens Takayama (zwischen Nagano und Nagoya (Richtung Kyoto/Osaka), wurde dort als Erstes das beliebte Restaurant mit M aufgesucht um wieder etwas westlichen Geschmack aufnehmen zu können. Wobei es hier schon etwas japanisch angehaucht ist, ein spicy Burger ist dann auch wirklich spicy! Takayama ist eine kleinere Stadt mit weniger Trubel. Dafür hat sie einen traditionellen Stadtkern. Den sollte man sich anschauen, auch wenn hier alles westliche Weltenbummler ausgerichtet ist. Es gibt um den Stadtkern herum noch einen fünf Kilometer langen Wanderweg, der natürlich an etlichen kleineren und größeren Schreinen und Tempeln vorbeiführt. Dieser war in unserem Fall menschenleer, aber die wenigsten waren wahrscheinlich so doof, bei 34 Grad einen drei stündigen Spaziergang anzutreten. Immerhin haben wir so etwas mehr gesehen als die Anderen, die Stadt gilt eben auch als Ausflugsstartziel in die Berge, dort wo wir ja schon gewesen sind.
Tempelparadis und Touristenhölle – Kyoto
Nach 36 Stunden ging es mit dem Bus weiter in die absolute Touristenhölle Kyoto. Etwas gemein, es ist auch die Hochburg bzw. die Stadt mit den meisten Schreinen auf der Welt, allerdings wird der ,,Overtourism“ schon lange in Japan beklagt. Angeblich soll ab 2026 in Kyoto eine Kurtaxe von bis zu 60€(10.000 Yen) pro Nacht gelten, aktuell sind es noch 6€ (1000 Yen). Die Maßnahmen werden also verschärft, doch das Wachstum scheint ungebrochen und gerade in China oder Taiwan ist die Reiselust ungebremst.
Was gibt es in Kyoto zu sehen? Wie bereits geschrieben, unzählige Schreine und Tempel in jeder Größenordnung. Die Hauptspots oder must-visits wie z.B. der Kiyomizu-dera Tempel, Arashiyama bamboo Forest (es gibt kleinere Alternativen), Fushimi Inari-Taisha (Schrein am Berghang mit hunderten Toren, wer sich also sportlich betätigen und Höhenmeter schrubben möchte) oder der Yasaka-Panoda (sehr fotogener Tempel) sollten unbedingt vor acht Uhr besucht werden, ab 9 wird es bereits voll. Meine Lieblings-Tempelanlage, Chion-In hatten wir am späten Nachmittag auch fast für uns, theoretisch können die ganzen Klötze auch abends noch einmal angeschaut werden, da durch die Beleuchtung ein ganz neues Bildmotiv entsteht. Man kann sich also Zeit lassen und sich alles anschauen oder die Auswahl maximal reduzieren und beispielsweise die etlichen Parks auslassen.
21.06.2025 – Yodoko Sakura Stadium – Cerezo Osaka 2:1 Tokyo Verdy – 18.024 (~ 1000 aus Tokyo)
Um also etwas Abstand aus Kyoto und seinen Tempeln zu gewinnen, ging es ins benachbarte Osaka. Zuvor stand jedoch noch der Besuch einer der Sehenswürdigkeiten Kyotos auf dem Programm, Kulisse in etlichen Filmen, Fushimi Inari-Taisha. Wenn es hier leer wäre, könnten hier sicherlich nette Fotos durch die unzähligen Torii-Wege/Tore geschossen werden. So versuchten es auch einige verzweifelte Damen, um hunderte andere auf ihrem Weg nach ganz oben etwas aufzuhalten. Die Essen-Metropole Osaka ist fast gegenteilig aufgestellt, eher Finanz-Glanz und Partystadt als traditionell und kulturell. Zumindest auf dem ersten Blick. Die Osaka Castle ist natürlich trotzdem einer der Hingucker Japans und darf auch am Fußballtag nicht ausgelassen werden.
Nachdem wir Osaka erst auswärts gesehen haben, sollte das Heimspiel im Süden (aber sehr gut zu erreichen) der Stadt in einem riesigen Park und Stadien-Areal nicht fehlen. Die Farbe pink ist schon sehr auffällig und markant, gleichwohl ist Cerezo ein bekannterer Name und auch einer der älteren Vereine Japans (Gründung 1957). Zumindest ist die letzte Umbenennung schon etwas länger her. Die Gäste aus Tokyo waren bei Ihrer Namensfindung auch kreativ, das Verdy (Grün portugiesisch/spanisch) ist zugleich Vereins- und Trikotfarbe. Tickets gibt es erneut easy über die J-League Ticket Seite (oder quick-pia, eine englische Seite der Profimannschaften), auch dieses Spiel sollte nicht annähernd ausverkauft sein. Etwas schade, so macht der Ground mit seinen vier unterschiedlichen Tribünen doch etwas her. Etwa 1000 Gäste machten vor Spielbeginn schon gut Lärm und auf sich aufmerksam, so war es während des Spiels doch deutlich schwieriger jene zu vernehmen. Osaka war mit seinen Brasilianern das bessere Team (Verdy hatte nur einen Ausländer im Tor) und wollte das ein oder andere Mal spielerisch zaubern. Erst Mitte der zweiten Halbzeit ging Osaka trotz dessen erst in Führung und konnte jene recht souverän über die Zeit bringen. Die Kurve zeigte einen mehr spielbezogenen Support als Tokyo in der letzten Woche, sodass es ab/an auch ruhiger wurde. 2-3 eigene Kreationen (relativ, vielleicht singt das ja noch jemand, Frankfurt z.B.) waren auch dabei und überzeugend, da wenn doch fast die gesamte Tribüne mit einstimmte. Das war überzeugender und Cerezo würde ich dem FC Tokyo definitiv vorziehen. Die Gäste waren, wie erwähnt, selten zu hören, aber auch dort schien die Mitmachquote ordentlich. Das Ganze erinnert bei allen Mannschaften eher an einen Chor, der sich einmal wöchentlich trifft und damit mit dem Lebensstil des ,,westtypischen“ Ultras eher wenig gemein hat. Nichtsdestotrotz ist der Support an sich gut, auch wenn einige Aspekte fehlen. Spät abends ging es dann für etwa 5€ mit der Hankyu-Kyoto-Line in etwa 70 Minuten zurück nach Kyoto. Diese Strecke, von Osaka zum Bahnhof Kyoto, kann auch in unter 30 Minuten zurückgelegt werden, mit dem Shinkansen noch schneller, kostet dafür dann deutlich mehr oder dauert durch die Zubringer zum eigentlichen Ziel ähnlich lange.
Aufstehzeit war erneut um 6 Uhr, um den weltberühmten Wald noch vor den Massen anzuschauen. Gut, durch Frühstück und Anfahrt waren wir real dann auch erst um kurz vor 9 vor Ort, aber die Massen hielten sich noch in Grenzen. Auf Google dürfte diese Attraktion mit die meisten Bewertungen in ganz Japan haben. An sich ist der Bamboo forest auch sehr ansehnlich und könnte theoretisch als mystisch bezeichnet werden. Ja, einzig wenn die Touris – lassen wir es. Es gibt kleinere Alternativen, aber wir gehören ja auch zum Problem und gingen genau dorthin. In der Nähe gibt es viele kleinere Tempel, die aufgrund der sehr starken Fokussierung des Waldes, dann doch deutlich leerer sind. Der Otagi Nenbutsuji-Temple kostet zwar einen kleinen Eintritt (500Yen) und die Anlage ist klein, allerdings gibt es hier über 1000 kleine Statuen zu bestaunen. Wer also etwas Spiritualität sucht, über sich und die kleinen Köpfe spekulieren und nachdenken möchte, ist hier besonders richtig. Aber auch so, ist der 30-minütige Weg durch den Wald beruhigend und der Tempel hebt sich definitiv von den anderen ab. Der restliche Tag wurde den Gegebenheiten und Wirkungen des Tempels angepasst und ruhiger verbracht. Es waren heute immer noch deutlich über 30 Grad und meine Kräfte ließen langsam nach.
Shinkanseeen und die verrückte Shibuya Kreuzung in Tokyo
Statt mit dem Bus sollte die Strecke Kyoto – Tokyo endlich im Shinkansen überwunden werden. Für rund 70€ pro Person, bucht die Tickets über die offizielle Website smartEx, hier sind sie günstiger und es gibt für bestimmte Züge kleine Rabatte (ansonsten kosten die meisten Züge auch am selben Tag noch den Standardpreis), fährt euch der Zug in zwei Stunden und in Zehn Minuten (Für knapp 450 km) ans Ziel. Aufgrund Elektronikschaden kam unser Zug tatsächlich zehn Minuten zu spät an, zeigte aber problemlos das diese Verspätung am Ziel wieder gut gemacht werden kann. Die Sitzfreiheit in der zweiten Klasse ist wahnsinnig gut, besser als die deutsche Erste Klasse und die Aussicht fliegt nur so an einem vorbei.
Zurück in Tokyo, erfüllte ich mir nach Hotel Check-In mir einen langersehnten Traum (natürlich nicht). Einmal (und nie wieder) in einem Starbucks (aber nur in Tokyo!) etwas kaufen. Dies hat weniger mit dem hochgelobten Kaffee (obwohl der Matcha tatsächlich lecker war) des Unternehmens zu tun, als mit der Aussicht auf die weltberühmte Shibuya Kreuzung. Kulisse zahlreicher Filme und noch mehr Reals und Co, ist sie vor Ort dann eine Enttäuschung. Relativ gesehen, diese Massen die die Kreuzung überqueren sind irgendwie beeindruckend, die vielen Selfie-Kameras dann eher beängstigend. Es gibt hier mehrere Cafes und Bars, von welchem das Crossing zu überblicken ist, am Abend ist es wahrscheinlich auch etwas eindrucksvoller. Die vollen Geschäftsstraßen drumherum sind aber doch irgendwie faszinierend. Gerade hier haben wir fast die einzigen brauchbaren Postkarten gefunden, nicht schade das der Touri-Hotspot erst am vorletzten Tag fallen durfte. Hier gibt es übrigens auch ein Don-Quijote, eine ,,billige“ (zumindest heißt es so) Einkaufskette, die über etliche Etagen wirklich alles anbietet. Falls bis zum letzten Moment keine Mitbringsel gefunden worden sind, hier gibt es welche.
Für den letzten Tag hatten wir uns noch einen einstündigen Tagesausflug nach Kamakura ausgesucht. Der Ort ist auch durch etliche TikToks bekannt und es lässt sich im kleinen Ort ganz gut aushalten. Die Attraktionen sind natürlich wieder voller als voll, aber dennoch sehenswert. Die Stadt selbst ist recht leer und bildet einen angenehmen Kontrast zur Großstadt nebenan. Wer zu viele Tage für die Hauptstadt eingeplant hat, kann hier gut ein paar Stunden verbringen.
Da unser 13-stündiger Rückflug um 23:00 Uhr zurückging, fiel das Schlafen im Flieger leicht und das schlechte Beef-Abendessen konnte schnell wieder vergessen werden.